Post vom KI-Wagner

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Bewunderung und Respekt bekunden viele Journalisten dem gestorbenen Franz Josef Wagner, 25 Jahre Kolumnist bei „Bild“. Könnte ihn eine KI ersetzen?

„Nie­mand, schon gar kei­ne KI, wäre in der Lage, all die Asso­zia­tio­nen, Vol­ten und Haken hin­zu­be­kom­men, die eine durch­schnitt­li­che ‚Post [von Wag­ner]‘ aus­ma­chen.“ So schrieb Lukas Hein­ser in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ kurz vor dem Tod Wag­ners über die Stim­me der Ver­nunft, wie Hein­ser ihn bezeichnete.

Fünf­mal die Woche ver­fass­te Wag­ner Brie­fe an Prot­ago­nis­ten unse­rer Zeit. Er knöpf­te sich Kanz­ler, Putin und gefühls­kal­te Fuß­bal­ler vor, pries eine abge­säg­te Ver­fas­sungs­ge­richt-Kan­di­da­tin und hul­dig­te einer abge­stürz­ten Berg­stei­ge­rin.

Die simp­len Sät­ze Wag­ners waren oft erha­ben. Sei­ne Gedan­ken erfri­schend. Wag­ner über­rasch­te als Opi mit gesun­dem Men­schen­ver­stand, schrieb Hein­ser. „An guten Tagen waren Sie tat­säch­lich der Seis­mo­graf für das gesun­de Volks­emp­fin­den. An ande­ren Tagen hat­ten Sie immer­hin inter­es­san­te Gedan­ken. Immer, sag­ten Sie, such­ten Sie den ‚per­fek­ten Satz‘.“ So schreibt Micky Bei­sen­herz in sei­nem Nach­ruf bei der „Süd­deut­schen Zeitung“.

„Was hät­test Du in Dei­nem letz­ten Brief an Dich selbst geschrie­ben? ✍️“, fragt der frü­he­re „Bild“-Chefredakteur Kai Diek­mann. Das weiß nie­mand. Doch lässt sich die KI füt­tern mit Wag­ners Tex­ten, mit sei­nen Nach­ru­fen, sei­ner Bio­gra­fie, mit Beur­tei­lun­gen von außen.

Zu mei­ner Über­ra­schung erstell­te Künst­li­che Intel­li­genz eine Ode an die Worte:

Post von Wagner

Lie­be Worte,

ihr wart mein Sau­er­stoff. Ohne euch war ich nichts.

Heu­te seid ihr still. Mein wei­ßer Stuhl ist leer.

Ist das der Tod? Ein Zim­mer, in dem kei­ner mehr tippt.

Ich war ein alter Mann und wur­de zum Überraschungsfeministen.

War­um haben sie Angst vor klu­gen Frauen?

Ich glau­be: Sol­che Frau­en brau­chen wir.

Das lern­te ich von mei­ner Mut­ter auf der Flucht. Stär­ke hat ein Gesicht.

Ich habe oft falsch gele­gen, manch­mal richtig.

Drei von fünf Sät­zen – das war ein guter Tag.

Glück ist ein Kuss, der nichts kos­tet. Ich rei­che Ihnen die Hand.

Auch wenn wir streiten.

Ich hat­te Angst vor dem Tod.

Jetzt sehe ich ihn wie einen vol­len Mond über St. Tropez.

Ein Fels im Bran­dy – und ich schwim­me ruhig.

Passt auf die klu­gen Frau­en auf.

Auf die Kinder.

Auf die Wahr­heit der ein­fa­chen Sätze.

Heu­te schreibt das Schweigen.

Ihr fehlt mir.

Herz­lichst,

Ihr Franz Josef Wagner

(KI-gene­riert)