„95 Prozent aller #KI-Pilotprojekte scheitern.😱“, schrieb Miriam Meckel. „95 Prozent aller generativen AI-Pilotprojekte in Unternehmen verpuffen ohne geschäftlichen Mehrwert“, hieß es bei Florian Resch. „95 Prozent der untersuchten KI-Anwendungen [leisten] bisher keinen messbaren Beitrag zum Gewinn“, die Zweifel an der Sinnhaftigkeit der KI-Investition wüchsen, folgerte Richard Schremmer.
Als diese Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) das erste Mal die Runde machte vor etwa zwei Monaten, befielen mich natürlich auch Zweifel: dass wir den KI-Einsatz generell überschätzen. Nach einer ausgiebigen Suche beim MIT stellte ich fest, dass lediglich Interpretationen der Untersuchung viral gingen. Das PDF selbst war und ist auf den Servern des MIT bisher nicht auffindbar. Erst aus zweiter Hand wird das PDF bei einem Anlegerportal mlq.ai aus Toronto herunterladbar.
Darin schreiben die MIT-Autoren: „Trotz eines Unternehmens-Investitionsvolumens von 30 bis 40 Milliarden US-Dollar in generative KI zeigt dieser Bericht ein überraschendes Ergebnis: 95 Prozent der Organisationen erzielen keine Rendite.“ Das ist, wie die weitere Lektüre des 26-setigen Dokuments ergibt, doch arg zugespitzt.
Repräsentativ geht anders
Befragt wurden demnach 153 Manager per Umfrage. Es wurden 300 öffentliche KI-Initiativen ausgewertet, und mit 52 Stakeholder wurden strukturierte Interviews geführt. Repräsentativ ist das nicht. Und wie genau fragten die Autoren denn? „Have you observed measurable ROI from any GenAI deployment?“ Auf Deutsch: Haben Sie bei einem Einsatz von generativer KI bereits messbare Kapital- beziehungsweise Ergebnisauswirkungen beobachtet? Im Kleingedruckten zu dieser Frage Nummer 12 aus Sektion 5 ist dann nachzulesen, dass ein „Return on Investment“ (ROI) nach sechs Monaten gemeint war. Und die Autoren räumen selbstkritisch ein: „Eine Beobachtungsperiode von sechs Monaten könnte zu kurz sein, um den Begriff ‚erfolgreiche Implementierung‘ für komplexe Unternehmenssysteme vollständig zu bewerten. Dies könnte die Erfolgsraten bei längerfristigen Umsetzungen unterschätzen.“
Nun versetze ich mich wie Klein Fritzchen einmal selbst in die Rolle eines Managers. Vor geraumer Zeit entschied ich mich mal für ein Investment in das „LanguageTool“, einer inzwischen KI-gestützten Rechtschreib‑, Grammatik- und Stilkorrektor. Kostet fünf Euro jeden Monat. Das Werkzeug leistet gute Dienste – aber „rechnet“ es sich? Der „ROI“ lässt sich nicht mathematisch bestimmen. Texte werden besser und enthalten weniger Fehler. Einen Ertrag kann ich nicht ausrechnen.
Zeitgewinn für weitere Aufgaben
Oder ein professioneller Newsletter, den ich für einen Kunden erstelle: Vor der Einführung von KI in meinem Unternehmen als Selbständiger brauchte ich dafür rund fünf Stunden, KI reduziert den Aufwand auf ungefähr dreieinhalb Stunden. Entsprechend kann ich weniger Zeitaufwand in Rechnung stellen – müsste man nun einen negativen ROI ausrechnen? Freilich habe ich so mehr Zeit für andere Aufgaben. Die investiere ich nun in gelegentliche Fortbildungsveranstaltungen, Vorträge oder verbesserte Recherchen für andere Texte.
Drittes Beispiel: Ich investiere jeden Monat rund 150 Euro in eine „eigene“ KI. Das Geld bekommt ein Dienstleister, der mir auf dem eigenen Server unter ki.schwarze.info ein Set an Assistenten ermöglicht und eine Prompt-Datenbank, samt Anbindung an die großen KI-Dienste von Open AI, Gemini und Co. Das gelänge auch für ein weniger teures Paket von diesem Dienstleister, doch war und ist es mir wichtig, eine eigene KI-Adresse samt Branding unter meinem Logo msc zu haben. Dieses etwas größere Besteck macht sich in Seminaren ganz gut.
„Ganz gut“ heißt: Auch hier bleibt der Return on Invest kaum messbar.
Das Problem der harten Kennzahl
Durch die gesamte MIT-Studie zieht sich die Frage, ob große Unternehmen nach sechs, zwölf oder 24 Monaten einen ROI erzielen und warum Start-ups gelegentlich schon nach drei oder sechs Monaten erste Erfolge erzielen. Die Messgröße aber bleibt eine so harte Kennzahl, dass sie kaum zu beantworten ist. Oder, wie es ein Kollege kürzlich bekannte: „Ist doch schön mit der KI, dann können wir endlich mal pünktlich Feierabend machen.“

