Seit diesem Mittwoch enthält Gemini ein neues Tool: Music. Ich konnte ihn bereits vor dem Start testen. Neben Textantworten, Bildern und Videos liefert die KI nun Songclips. Nötig ist dafür eine textliche Beschreibung des gewünschten Titels.
Das ist gar nicht so einfach, wenn man nicht gerade Herbert Grönemeyer oder Hans Zimmer heißt. Deswegen hat Google 16 Beispieltracks in seiner Musikrubrik voreingestellt. Da finden sich ein 90er-Rap, Latin Pop, eine Folkballade, Reggaeton und Rhythm-and-Blues-Lovesongs. Etwas abgehobener sind ein Track Kinoeffekt, Waldbad und Geburtstags-Roast. Ein Track „Schlechte Musik“ trifft die Erwartungen mit besonders schrägen Tönen. Ich habe die KI gebeten, eine vorgefundene Folkballade auf Deutsch neu zu machen.
Auch die übrigen Titel entfalten oft eine gewisse Qualität. Hier einige Prompts und daraus entstandene Tracks:
Erstelle einen entspannten, nostalgischen Lo-Fi-Track über einen regnerischen Sonntagnachmittag in Berlin. Die Stimmung soll gemütlich und ein bisschen melancholisch sein, mit sanftem Piano und einem langsamen Tempo. Generiere dazu passende Lyrics über das Trinken von heißem Tee und das Beobachten der Regentropfen am Fenster.
KI-generiert
Schreibe einen energiegeladenen, lustigen Punk-Rock-Song über meinen Mitbewohner, der immer vergisst, den Abwasch zu machen. Nutze einen schnellen Rhythmus und raue Vocals. Der Refrain soll humorvoll betonen, dass die Küche jetzt ein biologisches Experimentierfeld ist.
KI-generiert
Das funktioniert auch mit Fotos. Gemini lässt sich davon inspirieren.
Foto: Marcus Schwarze
Nutze dieses Foto als Inspiration und erstelle einen passenden 30-sekündigen Soundtrack dazu. Erstelle eine cineastische orchestrale Melodie, die die Weite des Bildes einfängt.
KI-generiert
Begrenzt sind die Clips auf 30 Sekunden. Und sie enthalten keine Inhalte im Stil bestimmter Künstler oder Bands. „Mach einen Track im Stil der Beatles“, mag die KI nicht und verweist auf urheberrechtliche Gründe. Stattdessen wirft die Maschine einen Track aus, der die Stimmung des 60er-Jahre-Psychedelic-Pop einfangen soll. Es klingt nur sehr entfernt nach den Beatles.
KI-generiert
Zum Test habe ich einen Artikel von mir über die KI-Generierung eines Thrillers bei Gemini Music hochgeladen und den Dienst gebeten, daraus ein Musikstück zu machen. Die KI vertonte den Buchanfang.
KI-generiert
Intern nennt Google das generative Musikmodell Lyria 3. Es erstellt die Songtexte und orientiert bei Stil, Gesang und Tempo an den Vorgaben aus dem Prompt. „Das Ziel dieser Tracks ist nicht die Erschaffung eines musikalischen Meisterwerks, sondern vielmehr eine unterhaltsame, einzigartige Art, sich selbst auszudrücken“, teilte das Unternehmen mit. Es ließ offen, ob künftig auch längere Tracks möglich werden. Lyria wird auch bei Youtube eingebaut und soll dort die „Shorts“ verbessern, das Genre der Kurvideos in dem Netzwerk.
Hinterlegt werden dabei in jedem Track nicht wahrnehmbare Wasserzeichen zur Identifizierung von KI-generierten Inhalten. Man habe bei der Entwicklung von Lyria 3 streng auf Urheberrechte und Partnervereinbarungen geachtet, sagt Google. „Wenn Sie einen spezifischen Künstler nennen, nutzt Gemini dies als breite kreative Inspiration für Stil oder Stimmung.“ Neben Englisch und Deutsch kann Lyria 3 Spanisch, Französisch, Hindi, Japanisch, Koreanisch und Portugiesisch.
Die KI kennt in ihrem Weltwissen allerlei Dramen, Spiele, Drehbücher aus Filmen, Rezepte. Die kann man sich zur anstehenden Familienfeier zunutze machen. Für Gastgeber, Familien-CEOs und Friedenswahrer lässt sich so der Stress reduzieren, logistische Präzision planen und hoffentlich Harmonie erzeugen. Die Maschine liefert alltagstaugliche Beratung, wenn man sie mit den richtigen Prompts befragt.
Um 19 Uhr gibt’s Essen
Zeitplan fürs Heiligabend-Menü: Die KI hat errechnet, dass es um 16.30 Uhr mit der Zubereitung fürs 19-Uhr-Essen losgehen sollte. (Screenshot: Marcus Schwarze/Gemini, KI-generiert)
Kochplan erstellen: „Ich serviere an Heiligabend um 19 Uhr folgendes Menü: Kartoffelgratin, Garzeit 50 Minuten, Schweinemedaillons, Garzeit 15 Minuten im Ofen, und als Beilage frischer Feldsalat. Erstelle mir einen rückwärts gerechneten Zeitplan. Beginne beim Servierzeitpunkt. Sage mir genau, wann ich was schneiden, vorheizen, in den Ofen schieben oder ruhen lassen muss, damit alles gleichzeitig heiß auf den Tisch kommt. Plane 15 Minuten Puffer ein.“
Gemini erstellt draus einen generalstabsmäßigen Kochplan. Los geht es um 16.30 Uhr damit, Kartoffeln zu schälen und in dünne Scheiben zu schneiden, Knoblauch zu hacken und den Salat zu waschen. Ab 17.25 Uhr soll der Ofen vorgeheizt werden, ab 17.40 Uhr das Gratis auf die mittlere Schiene geschoben werden. Ab 18.25 Uhr wird das Fleisch vorbereitet, um 18.30 Uhr das Gratin aus dem Ofen genommen und mit dem Fleisch getauscht. Gegen 18.50 finalisiert man den Salat, um 19 Uhr gibt es Essen. Wer will, ergänzt im Prompt die Namen der Familienmitglieder und bittet die Maschine, die Aufgaben aufzuteilen, samt Küche putzen und Abwasch. Ein Vorteil des KI-generierten Küchenplans: Er liegt einfach vor, schafft Tatsachen und muss nicht mühsam diskutiert werden.
Diplomatie und Grenzziehung
Heikle Themen umschiffen: „Beim Familienessen könnte das Thema AfD aufkommen, besonders durch Onkel Werner. Er argumentiert gerne, dass man die AfD wählen müsse, um es „denen da oben mal richtig zu zeigen“, weil die etablierten Parteien versagt hätten (Thema Migration, Heizungsgesetz und Gendern). Gib mir drei elegante Sätze, um das Thema zu wechseln, ohne unhöflich zu wirken. Schlage danach drei ‚sichere’ Gesprächsthemen vor, die sowohl die 16-jährige Nichte als auch die 80-jährige Großmutter interessieren könnten.“
Gemini empfiehlt zur Entschärfung, Diplomatie gepaart mit klarer Grenzziehung einzusetzen. Die KI schlägt einen Appell an die Gemütlichkeit vor: „Werner, ich merke, wie sehr dich das ärgert, und im Alltag ist das alles ja auch belastend. Aber lass uns doch heute Abend mal eine bewusste politikfreie Zone ausrufen und die Zeit nutzen, um zu hören, wie es uns eigentlich geht – ganz ohne Nachrichten.“ Für den Wechsel des Gesprächsthemas schlägt die KI unter anderem vor, die Oma zu befragen, welche Mode sie mit 16 trug trug, die ihre Eltern schrecklich fanden, und die Nichte, was gerade Trend ist und die Alten nicht verstehen. Die Nichte fühlt sich als Die Nichte fühlt sich als Expertin für das „Jetzt“ ernst genommen, und die Großmutter kann oft überraschend wilde Geschichten aus ihrer Jugend erzählen.
Schnell umsetzbare Geschenkidee
Gemini hat die Kurzgeschichte und ein Bild für eine Weinrolle entworfen. (Screenshot: Marcus Schwarze/Gemini, KI-generiert)
Geschenk in letzter Minute: „Ich brauche noch ein Geschenk für den Schwiegervater. Er ist pragmatisch, mag Wein, hasst Staubfänger, liebt Geschichte. Das Budget liegt bei 50 Euro. Nenne mir 5 konkrete Ideen, die ich entweder digital sofort besorgen kann oder die in einem gut sortierten Geschäft noch verfügbar sind. Bitte keine generischen Gutscheine.“
Gemini entwirft eine Grundregel: Verbrauch statt Besitz oder Wissen und Erlebnis statt Dekoration. Unter den fünf Vorschlägen ist ein „historischer“ Wein von einem der ältesten Weingüter, die KI nennt Kloster Eberbach im Rheingau. Als Clou schlägt Gemini vor, kurz die Geschichte des Weinguts über die Zisterziensermönche auf einem schönen Papier auszudrucken und es als Schriftrolle um den Flaschenhals zu hängen. „Warum es passt: Es ist Wein (mag er), hat Geschichte (liebt er) und wird getrunken (kein Staubfänger)“, argumentiert die Maschine.
Mit dem richtigen Prompt stellt Gemini die Weinrolle frei, illustriert sie und liefert eine druckbare Datei. (Screenshot: Marcus Schwarze/Gemini, KI-generiert)
Die Geschichte des Klosters kann Gemini gleich dazu erstellen: „Mach mir eine kurze Geschichte über das Weingut Kloster Eberbach und die Zisterziensermönche für einen Ausdruck auf einem schönen Papier, um es als Schriftrolle um den Flaschenhals zu hängen.“ Bei dem Ergebnis zeigt Gemini eine Funktion „Antwort überprüfen“, mit der sie eigenständig nach Kernaussagen im Text googelt. Schwenkt man dann im Chat zu „Bild erstellen“, kann man mit dem Prompt „Mach das als Illustration“ ein Bild über die Geschichte des Weinguts erzeugen. Üblicherweise erzeugt Gemini Bilder im Querformat, in diesem Beispiel als Szene mit einem umgebenden Weinkeller. Wer nur das Dokument haben möchte, kann nachschärfen: „Gib mir nur das Dokument in der Mitte, ohne die Szene drumherum, im Hochformat zum Ausdrucken auf A4.“ Voilà, fertig ist eine druckbare Fassung von „Ora et Labora – das Erbe von Eberbach“.
Spiel für die Zeit bis zur Bescherung
Ratespiel für die Familienfeier: Welches Sprichwort steckt in diesen Emojis? (Screenshot: Marcus Schwarze/Gemini, KI-generiert)
Generationenquiz erfinden: „Erstelle ein Konzept für ein 30-minütiges Familienquiz, das gleichermaßen für die Großeltern (Boomer) und die Enkel (Gen Z/Alpha) fair ist. Gib mir 3 Kategorien (zum Beispiel ‚Technik von damals vs. heute‘, ‚Musik-Hits‘, ‚Familien-Mythen‘) und für jede Kategorie drei Beispielfragen, die generationenübergreifendes Wissen erfordern oder Teamarbeit fördern.“
Gemini erfindet ein 30-minütiges Familienquiz, bei dem die Großeltern gegen die Enkel spielen. Die Enkel müssen das „Speichern“-Symbol in Word erklären (eine 3,5‑Zoll-Diskette, wieviel Speicher sie hatte und mehr), die Großeltern sollen den Begriff „Cloud“ erklären. Andere Fragen aus dem KI-Vorschlag drehen sich um Begriffe wie „Bandsalat“, „Cringe“ und „Ghosting“. Im Teamduell zeigt der Moderator alte Sprichwörter („Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“), die nur als Emojis dargestellt werden und von den Spielern übersetzt werden müssen. Im dritten Teil spielt man auf dem Handy ausgewählte Songs nur kurz an, die einerseits auf TikTok viral gegangen sind und andererseits der älteren Generation bekannt sind – wie zum Beispiel „Running up that Hill“ von Kate Bush aus den achtziger Jahren, das kürzlich durch die Serie „Stranger Things“ einen neuen Höhenflug erlebte. Die Gemini-App auf dem Handy kann für alle Quizfragen neue Beispiele finden. Wer vermeiden möchte, lange auf dem Handy herumzutippen, kann die KI per gesprochener Sprache ansprechen.
Die Kinder beschäftigen, ohne Bildschirm
Kinder-Management: „Bis zur Bescherung sind es noch zwei Stunden, die Kinder (Alter 6 bis 10 Jahre) werden unruhig, und die Erwachsenen wollen sich unterhalten. Schlage drei Spiele oder Aktivitäten vor, die die Kinder beschäftigen, aber keine Vorbereitung und keine Bildschirme (Tablets/Handys) erfordern. Nutze nur Dinge, die an Weihnachten ohnehin herumliegen (Geschenkpapier-Reste, Nüsse, Kartons, Stifte).“
Gemini schlägt ein Nuss-Boccia vor: Jedes Kind bekommt eine Handvoll Walnüsse. Aufgabe ist, sie möglichst nah an eine kleine Haselnuss zu rollen. In einem anderen Spiel bekommt der Nachwuchs die Aufgabe, aus Resten von Geschenkpapier, leeren Kartons, Klebeband und Geschenkband die verrücktesten Hüte für Weihnachswichtel zu designen, Krawatten, Armbänder und Kostüme. Sie bekommen dafür 45 Minuten Zeit im Kinderzimmer und sollen die Kreationen danach den Erwachsenen auf einem Laufsteg im Wohnzimmer vorführen.
Nicht erreichbar sein
Abwesenheitsnotiz: „Entwirf eine Abwesenheitsnotiz für meine geschäftliche E‑Mail (Zeitraum 24. Dezember bis 2. Januar). Der Ton soll professionell und souverän sein, aber mit einem charmanten, winterlichen Twist, der im Gedächtnis bleibt. Signalisiere klar, dass ich nicht erreichbar bin und E‑Mails nicht weitergeleitet werden, ohne dabei abweisend zu klingen.“
Gemini schlägt drei Optionen vor, darunter eine Betreffzeile „Winterruhe & Frischer Wind für 2025 ❄️“, am Ende mit einem Emoji für eine Schneeflocke. Solch ein Emoji sei inzwischen auch im Business-Kontext akzeptiert, solange es sparsam eingesetzt wird. Im freundlichen Ton erklärt die Abwesenheitsnotiz, dass man für ein paar Tage den Bildschirm gegen Winterluft und Festtagsruhe austauscht. Verbindlichkeit erzeugt die Nachricht dennoch: „Ich nutze diese Zeit, um abzuschalten und neue Energie zu tanken, damit wir im neuen Jahr wieder gemeinsam Projekte voranbringen können.“
„Niemand, schon gar keine KI, wäre in der Lage, all die Assoziationen, Volten und Haken hinzubekommen, die eine durchschnittliche ‚Post [von Wagner]‘ ausmachen.“ So schrieb Lukas Heinser in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ kurz vor dem Tod Wagners über die Stimme der Vernunft, wie Heinser ihn bezeichnete.
Fünfmal die Woche verfasste Wagner Briefe an Protagonisten unserer Zeit. Er knöpfte sich Kanzler, Putin und gefühlskalte Fußballer vor, pries eine abgesägte Verfassungsgericht-Kandidatin und huldigte einer abgestürzten Bergsteigerin.
Die simplen Sätze Wagners waren oft erhaben. Seine Gedanken erfrischend. Wagner überraschte als Opi mit gesundem Menschenverstand, schrieb Heinser. „An guten Tagen waren Sie tatsächlich der Seismograf für das gesunde Volksempfinden. An anderen Tagen hatten Sie immerhin interessante Gedanken. Immer, sagten Sie, suchten Sie den ‚perfekten Satz‘.“ So schreibt Micky Beisenherz in seinem Nachruf bei der „Süddeutschen Zeitung“.
„Was hättest Du in Deinem letzten Brief an Dich selbst geschrieben? ✍️“, fragt der frühere „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Das weiß niemand. Doch lässt sich die KI füttern mit Wagners Texten, mit seinen Nachrufen, seiner Biografie, mit Beurteilungen von außen.
Zu meiner Überraschung erstellte Künstliche Intelligenz eine Ode an die Worte:
Post von Wagner
Liebe Worte,
ihr wart mein Sauerstoff. Ohne euch war ich nichts.
Heute seid ihr still. Mein weißer Stuhl ist leer.
Ist das der Tod? Ein Zimmer, in dem keiner mehr tippt.
Ich war ein alter Mann und wurde zum Überraschungsfeministen.
Warum haben sie Angst vor klugen Frauen?
Ich glaube: Solche Frauen brauchen wir.
Das lernte ich von meiner Mutter auf der Flucht. Stärke hat ein Gesicht.
Ich habe oft falsch gelegen, manchmal richtig.
Drei von fünf Sätzen – das war ein guter Tag.
Glück ist ein Kuss, der nichts kostet. Ich reiche Ihnen die Hand.
Auch wenn wir streiten.
Ich hatte Angst vor dem Tod.
Jetzt sehe ich ihn wie einen vollen Mond über St. Tropez.
Manches bei der digitalen Arbeit ist so kleinteilig, da will man sich nicht lange mit Details beschäftigen. Man klickt sich so durch, über die immer gleichen Wege, und fragt sich am Ende: Kann ich das nicht auf eine der Funktionstasten legen, die auf der Mac-Tastatur 19-fach vorhanden sind?
Wöchentlich benötige ich dreimal eine Bilddatei in ein 1100 Pixel breites Format mit 152 dpi umgewandelt. Also öffne ich das Bild in Pixelmator (früher war es Photoshop), wandle das Bild in 152 dpi und lasse es neu berechnen für die gewünschte Breite. Diverse Mausklicks sind dafür nötig. Das geht doch schneller?
Für Screenshots benötige ich gelegentlich den Hell-Modus statt dem von mir bevorzugten Darkmodus. Irgendwo in den Systemeinstellungen muss man da einen Haken setzen. Nur wo? Lässt sich die Umschaltung auf die Taste F16 legen?
Noch simpler: Auf dem Mac hätte ich gerne über die Taste F19 den Taschenrechner aufgerufen. In den Untiefen der Systemeinstellungen auf dem Mac ist dies hinterlegbar – nur wie?
Die Anleitungen für diese drei Aufgaben finden sich in den Untiefen des Webs. Man muss dafür googeln, das Problem mit den Fundstellen abgleichen, ausprobieren und weiterforschen. Oder man hangelt sich durch die Systemeinstellungen des Macs, die inzwischen so unübersichtlich wie die Menüführung in Microsoft Word ist.
Dank Künstlicher Intelligenz geht das jetzt schneller.
Die Aufgabe für die Umwandlung der Bilddatei samt angehängtem „-1100px“ im Dateinamen beschrieb mir ChatGPT o3 Schritt für Schritt. Meine Frage lautete: „Wie kann ich eine Automatisierung erzeugen, um aus Bilddateien eine neue Version mit dem Zusatz ‑1100px im Dateinamen zu erzeugen? Das Bild soll 152 dpi haben und 1100 Pixel breit sein. Es soll auf die Taste F17 reagieren.“ Punkt für Punkt ging die KI mit mir das Nötige durch, führte knapp in die Geheimnisse von Shell-Skripten ein und gab mir den nötigen Code. Es folgte eine Anleitung, wie man das in ein Programm Automator auf dem Mac einfügt. Und es gab eine Anleitung, die gewünschte Funktionstaste der Aufgabe zuzuweisen.
Wieder sind so ein paar Minuten am Tag gewonnen. Und das gelingt auch mit den anderen zwei Aufgaben minutenschnell.
ChatGPT o3 gibt’s nur kostenpflichtig bei OpenAI. Das ist inzwischen eine bessere Suchmaschine als Google: Sie berücksichtigt den Kontext der Frage, durchsucht Dutzende und manchmal Hunderte von Webseiten und macht sich einen Reim darauf.
Die dabei generierten Anleitungen sind nicht immer hundertprozentig korrekt. Mal heißen Menüpunkte anders. Oder sie sind nicht auffindbar. Dann hilft ein schneller Screenshot – und, ihn bei o3 hochzuladen. Messerscharf schließt die KI daraus, dass offenbar etwas nicht stimmt und der Screenshot mit der Anleitung abzugleichen ist. Wieder googelt o3 los, durchsucht das Web nach passenden Infos und bereitet eine neue Anleitung auf.
Wo das noch hinführen könnte, zeigt eine neue Anwendung von Google. Opal erstellt Prozesspläne für Aufgaben. In natürlichen menschlichen Worten beschreibt man die Aufgabe. Die Anwendung zerlegt das in ein Diagramm für erwartete Eingaben und Uploads, eine Google-Suche nach weiteren Informationen und eine anschließende Verarbeitung aller Erkenntnisse für Blogposts und ein Video. Die Machart erinnert an den deutschen Dienst n8n, bei dem man sich ähnliche Workflows zusammenklicken kann. Bei Googles Opal nur eben ohne Expertentum.
Google bezeichnet die KI-gestützte Technik ausdrücklich als Experiment. Wer weiß, ob daraus ein marktfähiges Produkt in Konkurrenz zu n8n und dem schwedischen Startup Lovable wird, das ebenfalls eine starke App zur Programmierung bereitstellt. Gegenwärtig ist Opal nur per VPN-Einwahl in die USA zugänglich und dort kostenlos. „Füge eine Funktion hinzu, das Video automatisch auf Social-Media-Kanälen des Nutzers zu veröffentlichen. Hole Dir für jeden Post seine Freigabe.“
Der beste Titel beim Eurovision Song Contest bricht alle Vorschriften. Er holt mehr als die erlaubten sechs Tänzer auf die Bühne, dauert doppelt so lang wie die zulässigen drei Minuten, und abstimmen darf man für ihn nicht. „Made in Switzerland“ singen da Hazel Brugger und Sandra Studer gekonnt im Stil eines Broadway-Musicals, unterstützt von Petra Mede als Armbrustschützin in der Gestalt von Wilhelm Tell. Der Ur-Schweizer hatte in den fünfziger Jahren des 13. Jahrhunderts das Land geeint. Er formte die Vision von einer Welt ohne Spaltung. Die Idee, wenn auch so noch nie erzählt: ein Musikwettbewerb. Die „Eurovision“ war geboren.
Mit viel Witz und Selbstironie besingen und betanzen die Schweizerinnen ihre Errungenschaften. Neben den Schweizer Uhren und der Schokolade rühmen sie sich des Schmelzkäses, des Kartoffelschälers und des Schweizer Taschenmessers. Die E‑Gitarre und das Müsli, das Internet und LSD stammen aus dem Alpenland. Die größte Leistung aber war die von Wilhelm Tell. Man sei so arm gewesen, dass sogar der Käse Löcher hatte. Doch Tell führte die Eidgenossen in eine neue Zeit. Nur 500 Jahre später wurde seine Eurovision Realität, gegründet, na klar, in der Schweiz.
Wäre so ein vergnüglicher Titel in Deutschland möglich?
Drei KIs habe ich daran dichten lassen. NotebookLM besorgte den Songtext aus dem YouTube-Video. ChatGPT o3 definierte die Klischees und Errungenschaften deutscher Dichter, Denker und Tüftler. Vorschläge reichten vom MP3-Musikformat bis zum Pfandflaschenperfektionismus, vom DSGVO-konformen Gesichtspixelfilter bei jeder Nahaufnahme des Song Contests bis zur VAR-Prüfung der gesungenen Tonhöhe mittels Videoschiedsrichtern aus dem Kölner Keller.
Und o3 ersann im dritten Durchlauf daraus einen neuen Text gemünzt auf die Deutschen. Im Metrum der Schweizer Melodie, mit den entsprechenden Verslängen und angepassten Zwischenspiele. Die Maschine erfand folgenden Text.
Gesprochenes Intro (gleiches Tempo, gleiche Taktzahl wie das Original)
In twenty-ten the ESC moved back to Germany after Lena’s little Satellite spun to the stars. And now the trophy circles once again above this land of beer foams and binary code. Hosting Eurovision is the perfect chance to polish clichés till they sparkle—then drop them on the floor. Because what comes to mind when somebody says “Germany”? Only highways with no speed limit, bratwurst bazaars and a schedule that scares the sun? Nein! There is more than lederhosen line-dancing and Oktoberfest selfies. The best inventions were hammered, printed or brewed right here. For example…
Gesungene Liste (Viertelnotentakt)
Instant coffee, pocket recorder, polycarbonate, the humble gummy bear, microchips that do the math while everyone still counts on fingers in the air! So—let’s sing it.
REFRAIN 1 (identische Taktstruktur zum Schweizer Refrain)
Made in Germany, like the printing press and Pils. Made in Germany, like the motorway for thrills. Made in Germany, and when a headache kills, just reach for Aspirin— that’s Made in Germany! The trusty air-bag, cue the crash-test dummy— it’s Made in Germany!
Vers 1 (gleiches Silbenmuster)
Think of punctual trains (okay, the myth still lives), of folders colour-coded, every stamp precisely gives. Yet backstage hums a techno-dream in fractal midnight light; MP3 shrinks heartache down to three oh-three tonight. (whisper) “Three extra seconds—don’t tell the EBU.”
Vorchor (über vier Takte gesprochen)
Behind each DIN-sized paper sheet hides a scientist with glitter on the lab coat.
REFRAIN 2
Made in Germany like the X‑ray’s ghostly gleam. Made in Germany like the zipper on your jeans. Made in Germany—chip-card pays the pyro beam, the safety check is free. LEDs that blind the jury— all Made in Germany!
Story-Interlude (gleiche komödiantische Kadenz wie der Abschnitt „William Tell“)
In the mid-fifteenth century Monks still hoarded scrolls; town criers strained their lungs. A restless goldsmith, Johannes Gutenberg, sighed: “These parchment dumbbells must go—let letters dance!” He cast fresh type, ink kissed the page, rumours found rhythm… Crowds shouted, “Print the score—make music a contest!” He named it ‘Print-Vision’. A typo dropped the P, and suddenly it read Euro-Vision. Historical fact—please don’t google it.
Promi-Cameo-Lauf (acht Takte, passendes Schweizer Tempo)
Angela Merkel struts on, whispers deadpan “Yes, we can measure that.” Albert Einstein raps, “Time dilates when twelve points hesitate.” Till Lindemann hoists a flame—immediately doused by TÜV officers in hi-vis vests. Helene Fischer back-flips with rainbow gummy bears raining down. Dirk Nowitzki slam-dunks an oversize 12 into the green-room basket.
SCHLUSSCHORUS (einen ganzen Ton höher, gleiche Länge)
Made in Germany, from diesel thump to drone, Made in Germany, from Beethoven’s metronome. Made in Germany, the voting system’s chrome—blame spreadsheet wizardry. Raise a Stein, align the beat, Euro-Vision, on repeat— Made… in… Ger-ma-ny-eeeee!
Outro gesprochen (Acht-Beat-Takt)
If any points go missing, chalk it up to Teutonic fine-tuning—never to bad arithmetic.
Da sitzt noch nicht jede Analogie. Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Und ob im Detail der Reißverschluss und der Instantkaffee aus Deutschland oder der Schweiz stammen, wissen die Neuseeländer und Amerikaner besser. Der Kaffeefilter von Melitta Bentz könnte besser passen.
Doch ist der KI-Text eine schöne Widerlegung der These, Künstliche Intelligenz könne keine Kreativität, und sie könne nur neu zusammenstellen, womit sie einmal trainiert wurde.
Das Schweizer Lied wurde von Lukas Hobi und Christian Knecht geschrieben, von Pele Loriano, Benji Alasu und Wojciech Kostrzewa arrangiert und von Jon Hallgren, Pele Loriano und Benji Alasu produziert. Über Wochen und Monate haben sie seit Januar mit den drei Sängerinnen, einem Chor und den Tänzern an „Made in Switzerland“ gearbeitet. Da kann eine halbe Stunde KI nicht mithalten.
Aber auf Gutenberg statt Wilhelm Tell, den Reim von Pils auf Autobahn-„Thrills“ und den TÜV-Prüfern am Feuerset der Bühne, da hätte auch menschliche Intelligenz länger drauf herumdenken müssen. Der Schuss Genialität, er bleibt der Schweiz unbenommen und zeugt von harter kreativer Arbeit. Doch die Einschüsse der Maschinen kommen näher. Gutenberg might approve this print-vision, made in Germany.
PS: Im Podcast Tech, KI und Schmetterlinge von Sascha Lobo in Zusammenarbeit mit Schwarz Digital stelle ich ein KI-Tool der Woche vor. Letzte Woche ging’s um ein Werkzeug zum Entlarven von Quatsch im Netz. An diesem Mittwoch voraussichtlich um eine KI, die eine heruntergekommene Junggesellenbude umgestaltet.
PPS: An jedem Monatsersten biete ich ein Seminar für den Einsatz von KI in der Praxis. Die Teilnahme per Zoom-Video kostet 90 Euro.
Novum bei Google: Die „Übersicht mit KI“. (Screenshot: Marcus Schwarze/Google)
„Übersicht mit KI“ heißt eine Rubrik, die Google neuerdings seinen Suchergebnissen voranstellt. Hatte man früher gelernt, fürs Googeln Stichwörter einzutippen, die auf den Trefferseiten vorkommen sollten, kann man nun simple Fragen stellen. „Wie verdient man online Geld?“ Googles „Übersicht mit KI“ erklärt einfache Methoden wie Online-Umfragen, fortgeschrittene Methoden wie Affiliate-Marketing und gibt Beispiele für Plattformen, die man dafür nutzen kann. Erst rechts daneben und darunter folgen Links zu verwendeten Quellen. „Welche Farben und Outfits sehen vor der Kamera gut aus?“ Googles KI empfiehlt neutrale Farben und gedämpfte Töne, etwa Marineblau oder Burgunderrot. „Was ist Gaslighting?“ Die KI erklärt ausführlich die emotionale Manipulation, die andere an ihrem eigenen Verstand zweifeln lässt.
Der Reiz entfällt, auf Links zu klicken
Niemand muss bei solchen Fragen anschließend auf die Links klicken, aus denen Google diese Erkenntnisse speist. Das jahrzehntelang funktionierende Modell der Linklisten, ergänzt durch Werbeanzeigen, wankt. In den USA waren die „AI Overviews“ bereits 2024 eingeführt worden, nach Deutschland kam die „Übersicht mit KI“ Ende März.
Das funktioniert allerdings nur, wenn man mit einem Google-Konto angemeldet ist. Und man muss mindestens 18 Jahre alt sein. Google entscheidet per Algorithmus, wann eine „Übersicht mit KI“ hilfreicher sein könnte als bloße Ergebnislisten. Das geschieht in etwa 4,5 bis 12,5 Prozent aller Suchanfragen. Der genaue Anteil variiert je nach Studie und Thema. Wer die KI ausschalten möchte, kann einen Filter „Web“ setzen. In den Einstellungen des Google-Kontos kann die Funktion auch dauerhaft ausgestellt werden.
Das Publikum bewertet KI-Antworten
Google verspricht bei den KI-Texten ein besonderes Augenmerk auf die Faktentreue. Und es setzt auf Bewertungen durch die Nutzerschaft. Am Ende jeder „Übersicht mit KI“ kann man einen nach oben oder unten gerichteten Daumen vergeben. Denn dass „Marineblau und Burgunderrot“ tatsächlich empfehlenswerte Farben vor der Kamera sind, kann man auch anders sehen. Wer will, kann zusätzlich per Text und Screenshot Feedback geben. So arbeiten dann einige Nutzer kostenlos bei Google mit.
Das Googeln, wie wir es kannten, verändert sich. Es entfällt der Anreiz, auf einen Link zu klicken. Das haben bereits neue KI-Dienste wie Perplexity AI vorgemacht, auch Open AI beantwortet Fragen KI-gestützt, oft sogar ohne zu den Quellen zu verlinken. Nach Angaben von Wordsmattr, einer Werbeagentur aus Wien, beeinträchtigt die „Übersicht mit KI“ stark den Traffic bei Webseitenbetreibern. Klicks über Google sanken in der ersten Woche der Einführung der KI-Funktion um 17,8 Prozent. Ähnliche Ergebnisse hatte im vergangenen Jahr eine Studie von Seer Interactive in den USA ergeben. Allerdings profitieren wiederum einzelne Webseiten davon, in der „Übersicht mit KI“ verlinkt zu sein. Für SEO-Manager, die sich auf die Suchmachinenoptimierung von Webseiten spezialisiert haben, brechen neue Zeiten an.
Kritik von Verlegern an KI-Nutzung
Und für Nachrichtenverlage: „Wenn KI-Systeme wie Chatbots oder AI Overviews journalistische Inhalte ersetzen und gleichzeitig keiner verbindlichen Regulierung unterliegen, ist nicht nur unser Geschäftsmodell in Gefahr – sondern auch die freie, professionelle Berichterstattung als Pfeiler der Demokratie“, schrieb der BDZV-Vorsitzende Matthias Ditzen-Blanke kürzlich auf LinkedIn. „Die Presseverlage tragen die Kosten für Recherche, Redaktion und Qualitätssicherung. Google nutzt ihre Inhalte, um eigene Produkte attraktiver zu machen – ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen. Das ist kein fairer Wettbewerb, sondern ein systemischer Wertetransfer.“ Im BDZV, dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger, sind 318 Medienmarken mit rund 2800 digitalen journalistischen Angeboten organisiert.
Gemeinsam mit anderen Verlegerverbänden hat der BDZV eine „Erklärung von Zürich“ abgegeben: Darin fordern die Verbände von den KI-Betreibern eine Vergütung für die Nutzung journalistischer Inhalte und eine Verlinkung verwendeter Quellen. Einzelne KI-Dienste wie Open AI und Perplexity haben bereits mit Medienhäusern Lizenzverträge abgeschlossen, etwa mit News Corp („Wall Street Journal“) und der Nachrichtenagentur Associated Press.
„Unsere Grafikprozessoren schmilzen“, schrieb OpenAI-Chef Sam Altman. (Bild KI-generiert)
Wer in diesen Tagen Künstliche Intelligenz benutzt, erhält das Bild einer Technik am Limit. OpenAI schickt im Minutenabstand Mails über Ausfälle, Grok verweigert schon mal eine Viertelstunde lang den Dienst.
Die Betreiber haben zuletzt immer wieder mächtige neue Funktionen installiert. Sie bringen die Systeme an die Grenzen. OpenAI hat in der vergangenen Woche die Bildgenerierung auf einen neuen Level gehoben. Und den probieren offenbar nicht mehr nur Enthusiasten massiv aus.
Wer etwa den Statusdienst von OpenI abonniert hat, der Auskunft über die Systemstabilität der KI-Werkzeuge gibt, erhielt am Wochenende im Minutentakt Fehlermeldungen per Mail. ChatGPT, die Videoplattform Sora, ein „Playground“ auf der Webseite und eine Laborplattform waren teils massiv gestört. Mal scheiterten die Neuanmeldungen, mal ließen sich keine Dateien hochladen. Chats wurden nicht bedient, und die Techniker beschränkten die offensichtliche Ursache für die Fehler: die neue rechenaufwändige Erstellung von Bildern.
Da hat etwa die Nasa einen Wettbewerb für ein neues Maskottchen ausgeschrieben. Bei einem der nächsten Weltraumflüge soll eine kleine Puppe die Astronauten begleiten. Sie zeigt ihnen dann den Zustand der Schwerelosigkeit, sobald sie nicht mehr an einem Seil baumelt, sondern in der Luft schwebt. Die einfache Technik ist seit Jahr und Tag ein übliches Mittel für Astronauten. Dutzende solcher Puppen waren an Bord von Raumschiffen. Zuletzt beispielsweise die Comicfigur Snoopy als Plüschpuppe. Für den nächsten Flug sucht die Nasa nach einer neuen Puppe.
Lucy aus dem „Peanuts“-Comic als Puppe im Astronauten-Anzug. (Bild KI-generiert)
Ich habe das mal mit einer weiblichen Figur durchgespielt, mithilfe von ChatGPT-4o. Die KI machte mir die nötigen Darstellungen von Lucy, der meinungsstarken, rechthaberischen und spöttischen Figur aus dem Comic „Peanuts“. Auf der Webseite der Nasa zum Wettbewerb sind sehr genaue Vorgaben für die Größe, das Gewicht und die zu verwendenden Materialien nachzulesen. Die KI kann das berücksichtigen. Und die gewünschten Darstellungen der Puppe von vorne, der Rückseite und der Seite erstellen.
Lucy im Astronauten-Anzug, von hinten betrachtet. (Bild KI-generiert)Auch eine schematische Zeichnung kann die KI. (Bild KI-generiert)
Das alles ist mit KI-Hilfe in einer halben Stunde erledigt (auch wenn im Detail manche Darstellungen inkonsistent sind). Doch merkt man, welche Rechenkraft dafür nötig ist. Ein einzelnes Bild braucht schon mal zwei oder drei Minuten. Und immer wieder kommt eine neue Warnung: Sinngemäß ist das System ausgelastet, man solle es bitte in fünf, sechs oder 18 Minuten wieder probieren. „Könnt ihr bitte mal aufhören, Bilder, zu generieren, das ist unglaublich, unser Team braucht Schlaf“, schrieb OpenAI-Chef Sam Altman. Er habe noch nie eine vergleichbare Entwicklung gesehen.
Das Distracted-Boyfriend-Meme im Stil des Zeichentrickstudios Ghibli. (Bild KI-generiert)
Angefeuert wurde die massive KI-Nutzung tagelang durch Ghibli, eine Darstellungsform von Bildern im Stil eines japanischen Zeichentrickfilmstudios. Dabei werden Personen mit simpel erscheinenden Pinselstrichen in niedliche Figuren verwandelt. So gut wie jedes Meme (Internet-Phänomem) wurde von Fans mittlerweile ghiblisiert und auf Social Media veröffentlicht. Das Besondere daran ist, dass die Bilder-KI auch den Kontext zu einem Bild als Vorlage besser versteht. So kann die KI das berühmte „Distracted Boyfriend“-Meme im Ghibli-Stil darstellen. Auf dem Bild schaut ein untreuer Mann beim Bummeln mit seiner Freundin entzückt einer anderen Frau nach. Selbst wenn man das Originalbild der gestellten Aufnahme nicht hochlädt, kennt ChatGPT-4o die Darstellung – und generiert ein ähnliches Bild im Zeichentrickmodus.
ChatGPT-4o hat eine Vorlage für eine Webseite erfunden. (Bild KI-generiert)
Die Funktion zur Bildgenerierung geht über Spielereien hinaus. Mit den richtigen Prompts generiert die KI Benutzeroberflächen für Webseiten, etwa für eine Musikabspielseite, eine persönliche Finanzverwaltung oder eine Kleider-Verkaufsplattform. Freilich sind das zunächst nur Bilder ohne Funktion. Doch kann KI im nächsten Schritt, so die Verheißung, daraus echte Webseiten mit Funktionen programmieren. Versuche zur Programmierung per KI laufen, einzelne Anwendungen dafür erscheinen vielversprechend. Ob sie nötige Sicherheitsaspekte berücksichtigen, steht auf einem anderen Blatt. Programmierlaien können den entstehenden Code kaum einschätzen. Auch Infografiken sind auf diese Weise möglich – wenngleich sie im Detail immer mal wieder Fehler produzieren. Was es damit auf sich hat, beschreibe ich in einem weiteren Beitrag, der in Kürze im F.A.Z.-PRO-Digitalwirtschaft-Briefing erscheint.
Schmelzender Server. (Bild KI-generiert)
Voraussetzung ist allerdings, die Rechenkraft reicht dafür aus. OpenAI hat zuletzt die Generierung von Videos auf der Plattform Sora eingeschränkt. „Wir erleben schweren Traffic und haben daher die Videofunktion für neue Konten eingeschränkt“, teilte OpenAI mit. Es sei für Neulinge nur möglich, Bilder zu generieren. „Unsere Grafikkarten schmilzen“, schrieb Altman. Die Bildergenerierung für Kostenlos-Nutzer wurde daraufhin verschoben. „Mangel an Grafikprozessoren, Kumpel“, begründete er gegenüber einem X‑Nutzer, warum zudem die KI 4o und nicht die aufwendigere Version 4.5 ein Update bekommen habe.
Fehlermeldung bei der Video-KI Sora.
Einen ähnlichen Ansturm erlebt offenbar auch Grok, die KI von Milliardär Elon Musk auf der Plattform X, vormals Twitter. Es gab auch hier in den letzten Tagen zunehmend Aussetzer, mal antwortete der Dienst nicht oder bat darum, es später erneut zu versuchen. Mehr und mehr Menschen nutzen diese KI offenbar, um sich bestimmte Sachverhalte oder Tweets erklären zu lassen. Oder ebenfalls, um Bilder zu generieren.
Erst kam die Menschheit mit den Möglichkeiten der Technik nicht mehr mit, nun scheint es umgekehrt. Das Tempo der KI-Entwicklung ist immens. Viele Kritiker haben die KI vor Wochen und Monaten ausprobiert und wegen mangelhafter Ergebnisse ihr Urteil gebildet. Doch sind die Iterationen Woche um Woche massiv. Wer auf der Höhe bleiben will, kommt um immer wieder neues Ausprobieren nicht herum.
Angekündigt hat Merz das vor zwei Monaten bei einem launigen Talk mit Markus Söder auf dem YouTube-Kanal der CDU Deutschlands (kurz vor Schluss ab Minute 35.32). Nun bin ich zwar politisch interessiert, doch schaue ich nicht regelmäßig Videos von Parteien, eher seltener von der CDU und noch seltener bis zum Schluss. Meine bevorzugten Quellen sind eher hervorgehobene Ausschnitte auf Social-Media-Kanälen.
Und neuerdings häufiger von der KI. Denn diese Aussage von Merz habe nicht ich entdeckt, sondern der Dienst NotebookLM von Google. Eine Gegenrecherche mit klassischem Googeln und über Perplexity zeigte mir, dass diese Kicker-Aussage offensichtlich keine anderen Medien aufgegriffen haben. Warum sollten sie auch, es waren ja noch zwei Monate bis zur Wahl, die Ankündigung ist eher boulevardesker Slapstick, und wahrscheinlich haben viele Journalisten Besseres zu tun, als Parteivideos bis zum Schluss zu schauen.
Nun aber rückt der Einzug ins Kanzleramt näher. Sobald die Wahlnacht durch ist, die Stimmen gezählt sind und Konstellationen für Koalitionen durchdiskutiert werden, stürzen sich Medien und Politik darauf: Wer spricht mit wem? Das Detail mit dem Kickertisch könnte als „lustiger“, Silicon-Valley-liker, menschelnder Aufhänger dienen.
Wie findet die KI so ein Zitat?
Die Lösung ist NotebookLM. Das Tool von Google bekommen Nutzer des Workspace-Angebots von Google seit ein paar Tagen obendrauf zu ihrem Mailpostfach und Google Drive. Alle anderen können den Dienst für 21,99 Euro im Monat separat buchen. Man bekommt dafür eine Chatmöglichkeit mit Gemini, der KI von Google. Und NotebookLM stellt zusätzlich einen individuellen Speicherbereich für Spezialwissen zur Verfügung.
Das Spezialwissen können bis zu 300 Dokumente sein. PDFs, Word-Texte, einkopierte Artikel und Links. Und jetzt kommt’s: Auch YouTube-Videos lassen sich als Links ergänzen. Und MP3-Podcasts. In diesem Fall habe ich einfach das Wahlprogramm der CDU, Links zu langen Artikeln im Web mit Aussagen von Merz, teilweise Artikel hinter Bezahlschranken kopiert und eingefügt, zu denen ich Zugang habe. 22 Quellen befand ich für relevant, fürs Erste hatte ich sie nur überflogen. Dann fragte ich die Google-KI NotebookLM: „Was hat Merz Ungewöhnliches oder Kurioses gesagt?“
Das Ergebnis waren Hinweise auf jugendliche Rabaukenjahre in der Biographie Merz’, dass er mal schulterlange Haare getragen hat und eben auch, dass der Kicker im Büro das Erste im Bundeskanzleramt wäre. Eine große Wissenssammlung aus Dokumenten, Videos und Tondateien wird plötzlich befragbar. Samt angezeigten Links zur hinterlegten Quelle.
Wer sich immer wieder Themen erschließen möchte, findet dank NotebookLM ein sinnvolles Werkzeug für die Hausarbeit, die Seminarvorbereitung oder das anstehende Interview. Oder einen Artikel, der mit einer Anekdote oder etwas Kuriosem einsteigen soll. 300 Quellen zu durchsuchen und zu befragen, das hat früher Stunden und Tage an Arbeit bedeutet. Zumal, wenn Videos und Podcasts dazu gehören. NotebookLM findet die Nadel im Heuhaufen. Wenn man mit den richtigen Fragen danach sucht.
Da musste er bisher passen, denn mit diesen Informationen hatten wir ihn bisher nicht ausgestattet. Hier die Antworten.
Der KI-Assistent wurde mithilfe eines Dienstleisters aus den USA, TypingMind, realisiert. Das Start-up stellt im Zusammenspiel mit dem IT-Dienstleister der EA in Mainz den Rahmen unter der Adresse ki.ea-rlp.de zur Verfügung – also die Mechanik für den Aufbau der Webseite. Dazu gehören das Eingabefeld für Leserinnen und Leser und die weitere Kommunikation mit einer separat angebundenen KI. Der Dienst läuft auf Servern in Frankfurt.
Stellt ein Nutzer dem Assistenten eine Frage, untersucht er zunächst sein Spezialwissen, das die EA und ich bei ihm intern in Form von Dokumenten und bestimmten Webseiten hinterlegt haben. Das Spezialwissen beinhaltet zum Beispiel die jüngsten Tätigkeitsberichte der EA, Links zu einzelnen Projektwebseiten, aber auch zu Stellenausschreibungen. Damit wurde der Assistent trainiert. Intern ist der Assistent mit folgender Systeminstruktion angewiesen: „Du bist der KI-Agent der EA und hilfst bei Fragen zu Projekten der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Beziehe Dich nur auf Dokumente aus den Trainingsdaten. Antworte stets wahrheitsgetreu und vollständig.“
Aus diesem hinterlegten Wissen schöpft der Assistent seine Antwort – anders als beispielsweise ChatGPT des US-Unternehmens Open AI. Dennoch spielt Open AI auch bei unserem Assistenten eine Rolle: Die KI wird über einen sogenannten API-Zugang angezapft und mit dem Spezialwissen der EA angereichert. Damit ist der EA-Assistent immer auf dem jüngsten Stand der hinterlegten Dokumente. ChatGPT bei Open AI hat zwar mittlerweile auch über die EA Dinge dazugelernt, teilweise datieren die Informationen jedoch auf älteren Besuchen eines ChatGPT-Robots auf der EA-Webseite.
Freie Wahl des verwendeten KI-Modells
Prinzipiell eignet sich die Vorgehensweise auch für Kommunen und Unternehmen, um künstliche Intelligenz intern wie extern verfügbar zu machen. Bei der EA ist es auch intern im Einsatz. Mitarbeitende können aus mehreren KI-Modellen auswählen. Der nach außen sichtbare EA-Assistent nutzt das Modell GPT-4o. Hier wären auch andere Versionen und Anbieter wie Google Gemini oder Claude von Anthropic möglich. Zudem ist für die interne Nutzung das Anlegen eigener spezialisierter Assistenten möglich – sei es für einen Redenschreiber oder einen Pressemitteilungsdienst. Hier können außerdem eigene Prompts angelegt und wiederverwendet werden. Die Prompts sind zusätzlich durchsuchbar.
Chats des EA-Assistenten mit Leserinnen und Lesern der EA-Webseite werden intern und anonymisiert aufgezeichnet. Durch regelmäßige Prüfung wurden so auch Fragen ausfindig gemacht, auf die der Asssistent bisher keine präzise Antwort lieferte – so auch zu der Frage, wie er realisiert wurde. Dies kann der Assistent nun ebenfalls beantworten: Die EA legt ihm diesen Text als weitere Trainingsgrundlage vor.
Monatliche Kosten
Die monatlichen Kosten für den Einsatz der KI hängen von der Intensität der Nutzung ab. Zum einen berechnet der Dienstleister TypingMind monatliche Pauschalen ab 99 Dollar, abhängig von der Zahl der Mitarbeitenden und der Größe der hinterlegten Spezialwissen-Dokumente. Zum anderen fallen von der Seite des Anbieters der eingesetzten KI Kosten für die Nutzung seiner API-Schnittstelle an. Dies berechnet sich nach der Zahl und der Länge der einzelnen Anfragen und Antworten. Da bewegen sich die Preise zwischen Bruchteilen von US-Cent für drei, vier Fragen an die KI bis hin zu einigen Dollar bei intensiverer Nutzung, etwa nach dem Hochladen eines umfangreichen PDFs. Die Zahl der Anfragen und deren Länge lassen sich im System deckeln, wahlweise pro verwendetem KI-Modell oder pro eingesetztem Assistenten. Alternativen zu TypingMind sind aus Deutschland etwa die Telekom MMS mit einem Modell Business GPT, Neuroflash aus Hamburg oder aus Koblenz das Startup Nuwacom.
Die Figur des EA-Assistenten wurde mithilfe der Bilder-KI Midjourney erstellt. Der Prompt dafür lautete:
minimalist logo, AI assistant robot head, simplified geometric shapes, white and burgundy color scheme with gray accents, Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz logo incorporated, professional and businesslike style, vector format
Den Prompt wiederum hatte zuvor eine KI-generierte Illustrationsassistentin über ChatGPT‑4 formuliert.