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  • Mit diesem Tool bleiben getilgte Infos aus der Twitter-Bio nicht mehr geheim

    Mit diesem Tool bleiben getilgte Infos aus der Twitter-Bio nicht mehr geheim

    Ände­run­gen dar­an erkennt man als Fol­lower, wenn man nach­schaut – und den frü­he­ren Ein­trag kennt. Oder man nutzt ein Werk­zeug, um ande­re auf Twit­ter zu stal­ken. Die gegen­sei­ti­ge öffent­li­che Kon­trol­le ver­stärkt sich, und wer sich in die sozia­len Medi­en begibt, hält künf­tig auch getilg­te Infor­ma­tio­nen nicht mehr lan­ge geheim.


    Spoon­bill nennt sich das Werk­zeug, das die­se Wis­sens­lü­cke schließt. Es ver­merkt jeg­li­che Ände­run­gen an den „Bios“ – und ver­schickt täg­lich eine per­so­na­li­sier­te Mail mit den rele­van­ten Ände­run­gen. Rele­vant ist, wem Du folgst. Wenn etwa der Sport­kol­le­ge einen neu­en Link zu sei­nem News­let­ter hin­ter­legt, steht die Vor­her-/Nach­her-Ver­si­on genau­so in der Mail wie jener Ein­trag vom Kol­le­gen, der gefühlt täg­lich an sei­ner Bio­gra­phie feilt.

    Da fehlt plötz­lich der Link zur Arbeitgeber-Website

    Inter­es­sant ist ja häu­fig, was da nicht mehr steht. Da reicht es schon, den Namen sei­ner Fir­ma aus der Bio zu til­gen oder den Link zur Arbeit­ge­ber-Web­site, schon schrei­ben einem die Medi­en­diens­te, um eine ver­meint­li­che neue Per­so­na­lie zu ver­mel­den. Auf der Web­site von Spoon­bill geht das Spio­nie­ren noch ein wenig wei­ter: Hier fin­den sich unter „Rela­ted Accounts“ auch frü­he­re Twit­ter-Accounts, die man mal in sei­ner Bio­gra­phie benannt hat­te. Und es ste­hen zahl­rei­che frü­he­re Ände­run­gen zum Nach­schla­gen bereit, als wäre Dein Twit­ter­le­ben ein offe­nes Buch. Das per­fek­te Tool zum Twit­ter-Stal­king. Geheim bleibt da nichts, selbst wenn man kurz vor der Ände­rung sein Pro­fil auf pri­vat setzt – aber nein, selbst das merkt Spoon­bill natür­lich. Und wenn man etwas aus sei­ner Ver­gan­gen­heit til­gen möch­te – erst­mal verdächtig.

    So hat etwa Anne­gret Kamp-Kar­ren­bau­er am Mon­tag um 13.26 Uhr ihren Ein­trag „Gene­ral­se­kre­tä­rin“ aus dem Twit­ter-Pro­fil getilgt. So weit, so erklär­lich ange­sichts ihrer Bewer­bung zur CDU-Che­fin. Aber war­um mit ihrem Pos­ten auch gleich der Hash­tag #Sozi­ale­Markt­wirt­schaft gelöscht wur­de, könn­te ein The­ma sein.

  • Neu! TV mit Aufnahme-(!) und funktionierender (!!) Pausentaste

    Neu! TV mit Aufnahme-(!) und funktionierender (!!) Pausentaste


    Schlanke Fernbedienung – doch die Pausentaste rechts funktioniert nicht.

    Schlan­ke Fern­be­die­nung – doch die Pau­sen­tas­te rechts funk­tio­niert nicht.

    Auf Aben­teu­er­rei­se durch die Menüführung

    Zu den Merk­wür­dig­kei­ten des moder­nen digi­ta­len Lebens gesellt sich eine Spe­zi­al­fern­be­die­nung, die für den Sam­sung-Fern­se­her UE55MU6179UXZG erhält­lich ist. Also, nicht die schlan­ke mit­ge­lie­fer­te Bedie­nung R‑NZ, die – so liest man bei gele­gent­li­chen Aben­teu­er­rei­sen durch die Menü­füh­rung des Fern­se­hers –, per Spra­che bedien­bar sein soll und dafür auf die offen­bar läs­ti­gen Kanal­tas­ten 1 bis 9 und 0 verzichtet.

    Ich mei­ne die Fern­be­die­nung HbbTV4You. Nur mit ihr ent­fal­tet der olle Sam­sung sei­ne vol­le Funktionalität.

    Dabei ist der Fern­se­her schon im Aus­lie­fer­zu­stand ein rech­ter Tausendsassa:

    • Der Üfünf­und­fünz­ig-Muhs­echs­tau­send­ein­hun­dert­neun­und­sieb­zig-Uxzett­geh kann Vide­os in nie gekann­ter Auf­lö­sung darstellen;
    • per Ether­net­ka­bel Fil­me von Net­flix oder Ama­zon aus dem Inter­net abspielen;
    • die Media­the­ken von ARD, ZDF und vom hei­mi­schen NAS-Ser­ver ansteuern.
    • Die Spo­ti­fy-Musik­bi­blio­thek ist eine nur drei­mi­nü­ti­ge Pass­wort­ein­ga­be ent­fernt (auf der Fern­be­die­nung muss man sich halt etwas auf­wen­di­ger durch die visua­li­sier­te Buch­sta­ben­tas­ta­tur navigieren).
    • Inter­es­sant auch die „beson­ders hohen Schwarz­wer­te“. Wäre Tief­schwarz nicht besser?

    Immer­hin lässt sich mal nach­schau­en, was ande­re der Fami­lie so auf Net­flix glot­zen und in wel­chen Fil­men sie abge­bro­chen haben, wenn man sich bei der Fra­ge „Wer schaut gera­de“ ver­wählt. Upps.

    Was halt nicht funk­tio­niert: die Pau­sen­tas­te. Der Fern­se­her ist zwar einer der moderns­ten im Pixel­zeit­al­ter. Ultra-HD 4K, Ener­gie­ef­fi­zenz­klas­se A, DLNA, Blue­tooth, Du ver­stehst. Und auch der Ton klingt anfangs zwar wie aus der Blech­büch­se, aber für einen klei­nen Auf­preis von 146,99 Euro gibt’s immer­hin eine Sound­bar M360 samt Sur­round-Sound-Expan­si­on, Blue­tooth, Wuh­fer und zusätz­li­cher extra schlan­ker Fern­be­die­nung AH-59. Da stimmt dann zumin­dest der Ton. Und in acht von zehn Fäl­len kann man auf die Zweit­fern­be­die­nung für die Sound­bar ver­zich­ten, denn die von Sam­sung haben die Sound­bar fast Apple-like über die Erst­fern­be­die­nung ansteu­er­bar gemacht. Donnerknispel.

    Dia­gno­se 1: Da fehlt der Aufnahmespeicher

    Nur fürs Ein­frie­ren der lau­fen­den Sen­dung ist der Fern­se­her nicht frei­ge­schal­tet. Klar, denkst Du als Tech­nik­ex­per­te, fehlt ja auch der Auf­nah­me­spei­cher. Haben sie bei Sam­sung wohl ein­ge­spart. Also instal­lierst Du nach und nach

    • einen USB-Stick,
    • ein USB-Lauf­werk,
    • ein Netz­werk­lauf­werk. Es nützt nichts: Der 549 Euro teu­re Fern­se­her ist ein moder­ner Com­pu­ter mit Pau­sen­tas­te und kann den­noch kei­ne Sen­dun­gen auf­neh­men oder anhalten.

    Eine Goog­le-Suche spä­ter wird klar: Die­ser Üfünf­und­fünz­ig-Muhs­echs­tau­sendein­hun­dertneund­undsieb­zig-Uxzett­geh kos­tet 549 Euro, weil er exakt die­se Funk­ti­on nicht hat. Mit die­ser Funk­ti­on käme ein ande­rer Sam­sung in Betracht: der Üfünf­und­fünz­ig-Muhs­echs­tau­sendvier­hun­dertneun­undvier­zig-Uxzett­geh. Kos­ten­punkt: 839 Euro. Das sind 270 Punk­te Dif­fe­renz in der Typen­be­zeich­nung und 290 Euro Unter­schied im Portemonnaie.

    Hässlich zwar, aber auch nur für den einmaligen Gebrauch.

    Häss­lich zwar, aber auch nur für den ein­ma­li­gen Gebrauch.

    Dia­gno­se 2: Es gibt ein ver­steck­tes Bedienmenü

    Dafür habe ich die­se Fern­be­die­nung gefun­den. Mit der nicht anders als häss­lich zu bezeich­nen­den HbbTV4You schal­test Du ein ver­steck­tes Bedien­me­nü auf dem Sam­sung frei, tippst ein paar Tas­ten in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge. Das dau­ert kei­ne zwei Minu­ten. Und schon kann der Sam­sung plötz­lich auf­neh­men, anhal­ten, Auf­nah­men pla­nen. Kos­ten­punkt 29 Euro. So güns­tig ist kein Video­re­cor­der. Das Stück Plas­tik hat dann sei­ne Schul­dig­keit getan, lan­det im Müll oder auf dem Olymp der sel­tenst-benutz­ten Tas­ta­tu­ren. Oder bei Ebay.

    Die ein­zi­ge Sor­ge wid­met sich nun der Update-Funk­ti­on im ver­jüng­ten Sam­sung: Werks­sei­tig tele­fo­niert der immer mal wie­der nach Hau­se und holt sich eigen­stän­dig Updates für sei­ne ein­ge­bau­ten Apps aus dem hei­mi­schen Store. Viel­leicht schal­tet das nächs­te Update die Auf­nah­me­funk­ti­on wie­der ab?

    Die­se Funk­ti­on lässt sich glück­li­cher­wei­se abschal­ten. Man neh­me dafür: die mit­ge­lie­fer­te Erstfernbedienung.

  • Wie kraftvoll sich der Fitnessclub digitalisiert

    Wie kraftvoll sich der Fitnessclub digitalisiert


    Foto: Arthur Edelman/Unsplash

    Foto: Arthur Edelman/Unsplash

    Wenn man sich nach einem Jahr in Ber­lin in Koblenz bei sei­nem Fit­ness­club zurück­mel­det, ist vie­les anders. Allein die Preis­ge­stal­tung. Frü­her zahl­te ich pau­schal an die 60 Euro im Monat. Für das Geld erhielt ich Nut­zungs­mög­lich­kei­ten für

    • diver­se Gerätschaften,
    • küh­les Spru­del­was­ser von der Getränkebar,
    • TV-Unter­hal­tung samt anstöp­sel­ba­rer Tonspur,
    • einen Spe­zi­al­par­cours mit sekun­den­ge­nau­er com­pu­ter­ge­steu­er­ter Leis­tungs­mes­sung und
    • einen Sau­na­be­such samt Auf­guss vom Profi.
    • Und vie­les mehr! Eine pro­gram­mier­ba­re was­ser­strahl­ba­sier­te gum­mier­te Mas­sa­ge­bank ließ sich auch schon frü­her gegen Auf­preis nut­zen. Die freund­li­chen Men­schen am Emp­fang muss­ten sie dann fern­ge­steu­ert starten.

    Jetzt zah­le ich im Wochen­end­ta­rif 34,95 Euro bezie­hungs­wei­se für alle Tage der Woche 39,95 Euro pro Monat – für diver­se Gerät­schaf­ten; ein oder zwei Euro pro Woche für die Nut­zung der Geträn­ke­bar; 2,99 Euro pro Woche für den Besuch im „Sau­na- und Well­ness­pa­ra­dies“; und eine jähr­li­che Ver­wal­tungs­ge­bühr von 29,90 Euro. Hin­zu kommt nach Aus­kunft vom Pro­fi dem­nächst eine wei­te­re wöchent­li­che Gebühr für die Nut­zung des Spe­zi­al­par­cours mit sekun­den­ge­nau­er com­pu­ter­ge­steu­er­ter Leis­tungs­mes­sung. Mit mei­ner neu­en Chip­kar­te kann ich den Par­cours zur­zeit noch „so“ nut­zen, obwohl er im neu­en Mit­glie­der­be­reich auf dem schi­cken Touch­bild­schirm noch gar nicht als gebucht ver­merkt ist. Wöchent­lich heißt dabei: nur monat­lich künd­bar, verstehe.

    Die Unter­schrift auf dem iPad

    In der Sum­me zah­le ich also wie­der an die 60 Euro und noch etwas mehr, aber was tut man nicht alles. Unter­schrie­ben wird der Ver­trag ganz modern mit dem Zei­ge­fin­ger auf einem iPad, die Kra­ke­lei mei­nes Onboar­ding­pro­zes­ses ist schnel­ler als PDF an mich gemailt, als ich den ein­ma­lig kos­ten­lo­sen Kaf­fee aus­trin­ken kann.

    Über­haupt, die Bild­schir­me. Bei der ers­ten Prä­sen­ta­ti­on des neu­en Touch­bild­schirms im Foy­er hielt der wacke­re Pro­fi vom Club die Kar­te stets vor den Bild­schirm statt vor dem gro­ßen ein­ge­kreis­ten X dar­un­ter, wisch­te mit wach­sen­der Ver­zweif­lung nach links und rechts, dass uns bei­den schwin­de­lig wur­de. Gemein­sam wupp­ten wir die Her­aus­for­de­rung. Im Log­in­be­reich tauch­ten dann fünf Euro auf, die auf der Kar­te als Gut­ha­ben gebucht sei­en, aber ach: Die Geträn­ke­bar wuss­te davon nichts – egal ob man die Kar­te vors Dis­play hielt oder aufs X leg­te, das in den Tisch ein­ge­las­sen ist. Also gab mir der Pro­fi auf sei­ner Kar­te ein Was­ser aus. Die Sau­na hat­te ich zu dem Zeit­punkt noch nicht gebucht, „Du kannst da so rein“, sag­te mir der Profi.

    Eine Woche spä­ter war das dann schon nicht mehr der Fall. Das neue Dreh­kreuz streik­te. Ein schar­fes LED-Rot ver­bot mir den Durch­gang. Ängst­lich such­te ich nach einer Kame­ra: Ob die mich dabei beob­ach­te­ten, wenn ich ele­gant übers Dreh­kreuz … Aber nein: Im knap­pen Sau­na­man­tel ohne Hös­chen woll­te ich weder mora­li­sche noch sons­ti­ge Malai­sen her­auf­be­schwö­ren. Also fand ich mich in die­ser Mon­tur kurz dar­auf in der Lob­by wie­der, such­te dort am Tatsch­bild­schirm den Log­in­be­reich auf, buch­te die Sau­na. Klar, dass just in die­sem Moment die frü­he­re Kol­le­gin auf­tauch­te und ich in Bade­schlap­pen sowie nicht viel dar­über erst eine klei­ne Aus­füh­rung in Sachen beruf­li­chem Wer­de­gang und dann eine grö­ße­re Ein­füh­rung in den Log­in­be­reich geben durfte.

    Tat­ort Spinde

    Die Woche dar­auf hat­ten sie wie­der etwas Neu­es. Die Schrank­spin­de beka­men neue Schließ­me­cha­nis­men. Dun­kel erin­ner­te ich mich: In der Lob­by hat­te ich an einem Dum­my eine Ein­füh­rung genos­sen, wie die Chip­kar­te davor­zu­hal­ten ist, um die Tür zu schlie­ßen und zu öff­nen. Aber ach: Irgend­wie schien sich das Pro­ze­de­re noch nicht bis in die Män­ner­um­klei­de her­um­ge­spro­chen zu haben. Dort ver­sperr­ten rot-wei­ße Flat­ter­bän­der weit­läu­fig den Tat­ort, kom­plet­te Rei­hen von Spin­den waren geblockt. Der Pro­fi lei­te­te mich nach wei­ter hin­ten in der Umklei­de. Dort waren ein paar weni­ge Spin­de noch nicht umge­rüs­tet. Mit einer zwei­ten Kar­te und einem ech­ten Schlüs­sel ließ sich dort ganz her­kömm­lich ana­log das Schloss öff­nen und ver­schlie­ßen. So braucht es dann also bis auf Wei­te­res zwei Kar­ten und einen Schlüs­sel zum Sporttreiben.

    Noch nicht ent­schlüs­selt habe ich die pro­gram­mier­ba­re was­ser­strahl­ba­sier­te gum­mier­te Mas­sa­ge­bank. Sie wur­de jetzt eben­falls mit einem Chip­kar­ten­le­se­ge­rät aus­ge­stat­tet. Ein gro­ßes X mar­kiert den Vor­hal­te­be­reich für die Chip­kar­te. Der Moment, hier die Kurz­fas­sung: Mei­ne Kar­te funk­tio­niert noch nicht, wahr­schein­lich muss ich das erst buchen. Oder eine drit­te Kar­te aus­stel­len lassen?

    Jetzt mit Online-Account

    Zurück zur Preis­ge­stal­tung: Für den ers­ten Monat wur­den mir 104,25 Euro abge­bucht. Neu­gie­rig gewor­den, such­te ich den Mit­glie­der­be­reich auf der Home­page des Clubs auf. Weil die Funk­ti­on „Online-Account ein­rich­ten“ stets mit einem Feh­ler ende­te, dau­er­te es lei­der drei Mails, zwei Screen­shots und fünf Tage, bis der Zugang funk­tio­nier­te. Par­al­lel klär­te die „Zen­tra­le Mit­glie­der­ver­wal­tung“ immer­hin per Mail über die Zusam­men­set­zung der immer­hin drei­stel­li­gen Sum­me auf. An einer Stel­le hat­te man sich tat­säch­lich ver­rech­net, 3,51 Euro wur­den mir gut­ge­schrie­ben. Ich Dum­my hat­te aber das 49,90 Euro teu­re „Start­pa­ket“ mit dem Gesund­heits­check beim Trai­ner übersehen.

    Und die neue Chip­kar­te. Sowie die Sekun­den spä­ter ein­tref­fen­de Mail für die Abga­be mei­ner Kun­den­zu­frie­den­heits­be­wer­tung. Natür­lich habe ich geant­wor­tet: mit einem Link auf die­sen Text und der Auf­for­de­rung zum Bei­tritt – in mei­nen Mitgliederbereich.

    Ich glau­be aller­dings nicht, dass dies Schu­le macht.

  • Lesen, was man nicht kennt

    Lesen, was man nicht kennt


    Foto: @fahrulazmi

    Foto: @fahrulazmi

    Die Augen offen­hal­ten, raus­ge­hen, mit den Leu­ten spre­chen. So galt es frü­her vor allem im Lokal­jour­na­lis­mus. Heu­te kom­men die Leu­te von drau­ßen rein, direkt aufs Han­dy oder auf grö­ße­re Schir­me. Gequatscht wird dann eben­falls, wenn auch anders. Gestan­de­ne Bezie­hun­gen ver­ab­re­den sich Hun­der­te von Kilo­me­tern von­ein­an­der ent­fernt zum „gemein­sa­men“ Net­flix-Gucken (nicht wahr, S.?), star­ten auf die Sekun­de genau zeit­gleich den Film der Wahl – und tau­schen sich dann im trau­ten Whats­App-Chat über das Bild­schirm­ge­sche­hen aus. Es gibt die­se Sehn­sucht nach Gemein­schafts­er­leb­nis­sen, im end­lo­sen Digi­ta­len erst recht. Net­flix­par­ty und Rab­bit hei­ßen zwei Werk­zeu­ge, um das in Sachen gemein­sa­mes Glot­ze­gu­cken noch ein biss­chen auf die Sekun­de genau­er zu machen.

    Davon zeu­gen auch die Hash­tags. Ob #ltwby18 und #ltwby für poli­tisch Inter­es­sier­te zur Land­tags­wahl Bay­ern, #DHDL zum abend­li­chen Kamin­feu­er namens Star­tup­be­wer­tung oder #Rolex für ein Sta­di­on Empör­ter über ein Sta­di­um klein­geis­ti­ger und nei­di­scher Empö­rung: Hash­tags sind aufs Bemer­ken ver­meint­li­cher Strö­mun­gen aus und ver­stär­ken doch gele­gent­lich nur auf­merk­sam­keits­star­ke Extre­me. Beson­ders in Krei­sen von Jour­na­lis­ten und Politikern.

    Sich zu ver­net­zen und neue Gemein­schaf­ten zu bil­den, das beför­dern so auch Face­book, Insta­gram und Twit­ter. Das ist, gepaart mit klein­tei­ligs­ter Wer­bung, ihr Geschäfts­mo­dell. Deren Fil­ter spü­len bevor­zugt jene Bei­trä­ge ande­rer in die eige­ne Time­line, mit denen man inter­agiert hat. Wenn dann eine Face­book­sei­te wie „Unnüt­zes Han­no­ver­wis­sen“ mit einem ganz merk­wür­di­gen psy­cho­lo­gi­schen Mecha­nis­mus die­se Sehn­sucht nach Gemein­schaft trig­gert, mar­kie­ren sich da mal eben in 200 Kom­men­ta­ren die Leser gegen­sei­tig, und der Bei­trag erreicht nicht weni­ger als 19.300 Leser nach der Facebookzählweise.

    Mas­sen­haft vor­ge­nom­men, beför­dern uns die­se Mecha­nis­men in Fil­ter­bla­sen. Erfun­den wur­de der Begriff bereits 2011 von Eli Pari­ser. In die­sen Echo­kam­mern sehen wir nur noch das, was wir gut fin­den und unter­stüt­zen, inter­es­sant fin­den, nicht mehr die Gegen­sei­te oder schlicht ande­re Mei­nun­gen. Gemocht habe ich die­sen Begriff nie, denn als Jour­na­list meinst Du natür­lich, stän­dig die Augen offen zu hal­ten. Das nützt nur nichts bei den sozia­len Medi­en, denn tat­säch­lich ist das Pro­blem an den Fil­tern, dass Du sie nicht siehst.

    Und dann pas­siert das, wenn die Leu­te nur noch gefil­tert bei Dir rein­kom­men. Erkennt­nis­se einer klei­nen Umfra­ge am hei­mi­schen Küchen­tisch mit zwei Teenagern:

    • Plötz­lich bekommst Du nicht mehr mit, war­um ein Insta­gram-Account namens „Mein Beicht­stuhl“ 2,5 Mil­lio­nen Fol­lower hat.
    • Du erfährst nicht, war­um ein Poke­mon Go Song Mil­lio­nen Abru­fe erfährt.
    • Der Erfolg von „Gali­leo“ auf Pro 7 geht an Dir vor­bei, aber für man­che ist das For­mat auf You­Tube ihre stän­di­ge Tagesschau.
    • Tanz­ver­bot sagt Dir was?
    • Mesut Özils kräf­ti­ges State­ment zur Halb­zeit­pau­se eines Deutsch­land-Spiels kannst Du sofort zuord­nen, obwohl kein Sport­teil und auch Elf Freun­de online damit nicht auf­mach­te? 500.000 Nut­zer waren noch am glei­chen Abend zumin­dest kurz­zei­tig dabei auf Twitch.
    • Den Rob­be­trend von Bam kannst Du auf die Schnel­le nachmachen?

    Ver­mut­lich ist der Rob­be­trend so wich­tig oder unwich­tig wie Özils Gebal­ler und See­ho­fers nächs­te Pres­se­kon­fe­renz oder App­les Anstieg sei­ner Aktie um 2,20 Pro­zent über­mor­gen. Für irgend­wen sind die­se Din­ge wich­tig. Für vie­le nicht.

    Wie man trotz­dem davon erfährt und sie für sich ein­ord­net, wird durchs Inter­net nicht ein­fa­cher, eher schwie­ri­ger, weil kom­ple­xer. Seit zwei Tagen hat mir der Face­book-Algo­rith­mus nur noch, und ich sage: nur noch im Sin­ne von aus­schließ­lich, Mel­dun­gen von Medi­en in die Time­line gespült. Rhein-Zei­tung, Ber­li­ner Mor­gen­post, die Mor­gen­post Rei­ni­cken­dorf, Spie­gel Online, nichts ande­res. Als wären alle Pri­vat-Accounts von Bekann­ten verstummt.

    Kei­ne Ahnung, wie man das wie­der nor­ma­li­siert, aber was ist schon nor­mal: Bis vor­ges­tern habe ich auf Face­book seit Jah­ren kei­ne Medi­en­mel­dun­gen ange­zeigt bekom­men, ich habe dort wohl zu vie­len gefolgt; ange­zeigt wur­den mir nur Pri­vat­ac­counts, außer von jenen Medi­en, die ich expli­zit per vor­ge­nom­me­ner Ein­stel­lung an ers­ter Stel­le sehen woll­te. Wie ich das bei Face­book wie­der diver­si­fi­zie­ren kann, weiß ich auch noch nicht.

    Dabei ist klei­ne Gemein­schaf­ten zu bil­den immer der Anfang von etwas grö­ße­rem – vor­aus­ge­setzt, es geschieht mit einer bestän­di­gen Ver­trau­ens­ba­sis. Des­we­gen hat auf Dau­er wahr­schein­lich neben​an​.de ein grö­ße­res Poten­zi­al als Face­book. 4500 Nach­barn haben sich da in mei­nem Kiez in mei­nem bis­he­ri­gen Zweit­wohn­ort in Ber­lin ver­netzt, auf­ge­nom­men wird man nur per zuge­sand­ter über­prü­fen­der Post­kar­te, ob die ange­ge­be­ne Adres­se stimmt.

    Anschlie­ßend lädt eine Nach­ba­rin zum gemein­sa­men Ernäh­rungs­abend Vegan–Vegetarisch–Ayurvedisch ein, ein ande­rer zum Beton­scha­len­work­shop, und ein drit­ter ver­schenkt mir sei­nen Fern­seh­ses­sel. Das alles mag über Face­book und Co. auch gehen, aber der Ver­trau­ens­bo­nus ist dank der Post­kar­ten­über­prü­fung ein deut­sches Hoch­haus grö­ßer. Es mögen da nicht weni­ger Trol­le und Idio­ten unter­wegs sein. Aber am Ende fin­det man so immer­hin etwas ein­fa­cher die fünf, sechs Leu­te für den Dop­pel­kopf­stamm­tisch. So gesche­hen in der zwei­ten Heimat.

    Die klei­nen Gemein­sam­kei­ten tref­fen auch auf mei­nen News­let­ter zu: Ich freue mich über 60 Inter­es­sier­te. Klar sind das vie­le Jour­na­lis­ten aus mei­ner Fil­ter­bla­se, die ver­mut­lich zunächst ein­mal aus Neu­gier­de wei­ter­ver­fol­gen, was ich so trei­be. Wenn dann plötz­lich an einem Tag fünf, sechs neue Leser hin­zu­kom­men, war es auch wie­der eine die­ser vie­len klei­nen, aber hilf­rei­chen Bin­dun­gen, die das Netz aus­ma­chen: die Emp­feh­lung in einem ande­ren News­let­ter, der mir schon mal beim Auf­set­zen des eige­nen Let­ters mit Blick auf Daten­schutz­grund­ver­ord­nung und Impres­sum sehr hilf­reich war. Dan­ke, Fran­zis­ka Bluhm!

    Aber eigent­lich ist das noch nicht radi­kal genug. Wie kann man denn wirk­lich die ande­ren lesen? Mir fehlt dafür noch eine Anlei­tung. Mögt ihr mir das ein­mal schreiben?

  • Dunkel ist das neue Schwarz

    Dunkel ist das neue Schwarz


    Alles schick dunkel hier – bis auf die eine Mail, die Weiß als Hintergrund vorgibt.

    Alles schick dun­kel hier – bis auf die eine Mail, die Weiß als Hin­ter­grund vorgibt.

    Nicht erst seit macOS Moja­ve hält das Dunk­le Ein­zug auf moder­ne Sicht­ge­rä­te. App­les jüngs­te Betriebs­sys­tem-Ver­si­on zeigt einen Dun­kel­mo­dus, der das Gesche­hen auf dem Bild­schirm in abge­stuf­te dunk­le Grau­tö­ne taucht. Auch Win­dows 10 bie­tet das Fea­ture „Dark Mode“ an, eben­so Goog­le News (wenn auch noch nicht auf iOS), Twit­ter, Tik­Tok, You­Tube, dem­nächst Whats­App. Die Red­dit-App nennt die ent­spre­chen­de Ein­stel­lung Nacht­mo­dus, und auf dem iPho­ne ist die neue Sicht der Din­ge unter Ein­stel­lun­gen > All­ge­mein > Bedie­nungs­hil­fen > Dis­play-Anpas­sun­gen > Far­ben umkeh­ren > „Umkeh­ren – Intel­li­gent“ einstellbar.

    Aber war­um?

    „Mit dem dunk­len Design wer­den alle hel­len Ober­flä­chen auf der Sei­te dun­kel ein­ge­färbt. Dies führt vor allem nachts zu mehr Nut­zer­freund­lich­keit“, erklärt You­Tube. Und in der Tat strengt es die Augen weni­ger an, wenn das Hel­le weni­ger grell strahlt, oder wie es auf Red­dit schon vor Jah­ren hieß:

    Night is dark. Screen is bright. Eyes hurt.

    Night is dark. Screen is dark. Eyes not hurt.

    Beson­ders der Strea­ming-Dienst Net­flix dürf­te den Dun­kel­mo­dus popu­lär gemacht haben, allen Süch­ti­gen damit die Hand­ha­bung der App in der Nacht erleich­tern – und mit Seri­en wie „Oran­ge is the new Black“ oder „Dark“ noch einen i‑Punkt gesetzt haben.

    Neue Pro­ble­me

    Der Begriff „… is the new black“ stammt eigent­lich aus der Mode­welt, bezeich­net eine neue Far­be, die popu­lär zu wer­den scheint und das her­ge­brach­te Schwarz, das eigent­lich immer getra­gen wer­den kann, ver­meint­lich ablöst.

    Aller­dings schafft der neue Dun­kel-Modus auf Bild­schir­men neue Pro­ble­me. Denn ins­be­son­de­re im Apple-Sys­tem ist die Dar­stel­lung nicht ein­fach inver­tiert, son­dern „intel­li­gent“ inver­tiert. Im Mail-Pro­gramm unter macOS zum Bei­spiel sind

    • die Post­fä­cher in hell­grau auf mit­tel­grau dargestellt,
    • die Mail-Anrei­ßer in mit­tel­grau auf dun­kel­grau und
    • die eigent­li­che Mail selbst in aller Regel in weiß auf schwarz, außer der Absen­der hat die­sen Hin­ter­grund wie im Bild unten nicht vorgegeben
    • (wäh­rend die Menüs in mit­tel­hell­dun­kel­grau auf etwas-hel­ler-als-mit­tel­hell­hell­grau aus­ge­blen­det wirken).

    Kommst Du noch mit?

    So abgestuft erscheint das Design auf dem Mac, auch wenn nicht mehr alles in der Mail gut lesbar ist.

    So abge­stuft erscheint das Design auf dem Mac, auch wenn nicht mehr alles in der Mail gut les­bar ist.

    … und leider erlaubt die von mir eingesetzte Newsletter-Software noch kein angepasstes Design.

    … und lei­der erlaubt die von mir ein­ge­setz­te News­let­ter-Soft­ware noch kein ange­pass­tes Design.

    Das Pro­blem: Schickt jemand eine Mail in aus­führ­lichs­ter vor­ge­ge­be­ner Gestal­tung, wie zum Bei­spiel die­sen News­let­ter, erstrahlt sie plötz­lich in hells­tem Hell – im dunk­len Umfeld ist das wie ein lich­ter Gruß aus der Höl­le. Und hat man sich ans schi­cke Dun­kel gewöhnt, ist die ver­meint­lich alte Dar­stel­lung in schwarz auf grel­lem Weiß so anstren­gend wie eine Poli­zei­raz­zia beim Candlelight-Dinner.

    Selbst Apple schafft es nicht

    Apple selbst geht in sei­nen Human Inter­face Gui­de­lines noch eine deut­li­che Spur tie­fer, emp­fiehlt, wei­ßen Hin­ter­grund wei­cher zu gestal­ten, eine Tech­nik namens „Desk­top Tin­ting“ ein­zu­set­zen, um Hin­ter­grün­de durch­schei­nen zu las­sen. Sind die Pro­gram­me und ihre Fens­ter auf die­se Tech­nik ein­ge­rich­tet, erscheint die Dar­stel­lung tat­säch­lich wie aus einem Guss; nur: das sind sie eben alle noch nicht.

    Und auch wenn die Apps nun nach und nach an das auf­wen­di­ge neue dunk­le Design ange­passt wer­den: Irgend­wo fin­det sich immer eine Mail oder Web­site, die im Lich­te der neu­en Dun­kel­heit Schwarz-auf-Weiß-Licht­ver­schmut­zung betreibt. Neh­men wir nur die Goog­le-Such­sei­te. Oder App­les eige­ne Sei­te der Human Inter­face Gui­de­lines. Web­sei­ten sind sehr häu­fig hell.

    In der soge­nann­ten Rea­der-Dar­stel­lung von App­les Safa­ri-Brow­ser lässt sich zwar auch die Human-Inter­faces-Sei­te denk­bar schick ins Dunk­le tau­chen, und ganz muti­ge stel­len im Brow­ser Safa­ri die­sen Lese­mo­dus für jede wei­te­re Sei­te ein (Safa­ri > Ein­stel­lun­gen > Web­sites > All­ge­mein > Rea­der > Beim Besuch ande­rer Web­sites > Ein). Alter­na­tiv gibt es eine Dark-Mode-Erwei­te­rung für den Safa­ri-Brow­ser und auch für Chro­me. Stan­dard ist das jedoch nicht.

    Ja, Dun­kel ist jetzt das neue Schwarz; Weiß aber ist das neue Grell. Und die Welt ist wie­der etwas komplizierter.

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    Dark Mode List

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  • Wir haben die Kontrolle über Updates verloren

    Wir haben die Kontrolle über Updates verloren


    Der Newsletter für Erkenntnis und Interesse: Über die Folgen der Digitalisierung.

    Der News­let­ter für Erkennt­nis und Inter­es­se: Über die Fol­gen der Digitalisierung.

    Unser Brenn­wert­kes­sel wird in ein paar Tagen 15 Jah­re alt. Er hat seit­dem noch nicht ein ein­zi­ges Soft­ware-Update erlebt. 131.037 Betriebs­stun­den nennt das Display.

    Hun­dert­einund­rei­ßig­tau­send­und­sie­benund­rei­ßig Stun­den. Seit 14,95 Jah­ren läuft der Bur­sche zuverlässig.

    Als ein­zi­ges Pro­blem ver­merkt der genüg­sa­me Rech­ner in sei­ner Stö­rungs­his­to­rie den wie­der­keh­ren­den Feh­ler „D3“. Seit 15 Jah­ren. Wir duschen­den Brenn­wert­kes­sel­ken­ner in unse­rem Haus­halt erle­ben „D3“ immer dann, wenn jemand die Dach­fens­ter im Flur auf offen gestellt und so belas­sen hat. Das Was­ser bleibt dann kalt.

    Der Schorn­stein­fe­ger hat sei­ner­zeit für die­sen Fall eine Abschalt­au­to­ma­tik für hei­ßes Was­ser ver­fügt, wegen der Gefah­ren schad­stoff­be­las­te­ter Durch­lüf­tung. Gleich­wohl hat er zuletzt schon mal ein Update ange­bo­ten, um die Abschalt­au­to­ma­tik abzu­schal­ten, „da pas­siert eh nichts“. Doch dabei schwan­gen die Kos­ten einer ver­mei­dens­wer­ten, kos­ten­be­wehr­ten Hand­wer­ker­stun­de mit. Wozu also das Update? Zumal, wenn es lebens­ge­fähr­lich sein könnte?

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    Die Abschalt­au­to­ma­tik für unse­ren Die­sel der Mar­ke Volks­wa­gen hat nur sechs­ein­halb Jah­re gehal­ten. Die Motor­steue­rung schal­te­te immer dann die Abgas­rei­ni­gung ab, wenn sich der Wagen im Prüf­stand­mo­dus wähn­te. Letz­te Woche ver­füg­te das hie­si­ge Ord­nungs­amt: Die Abschalt­au­to­ma­tik muss bin­nen drei Tagen weg. So sind sie in Koblenz. Ein Soft­ware-Update muss­te her. So bekam der Sha­ran nach fast sie­ben Jah­ren sei­ne ers­te Ver­jün­gung. Unge­up­datet blie­ben dage­gen der Kar­ten­stand des Navi­ga­ti­ons­sys­tems. So etwas kos­tet. Und das Auto­ra­dio wer­kelt auch wei­ter­hin im Modus von 2011. Ein aktu­el­ler 1200-Euro-Spe­zi­al­com­pu­ter namens iPho­ne kann auch wei­ter­hin nicht den Bild­schirm und die Tas­ten im Auto auf moder­ne Wei­se nut­zen, wie es Apple jedem Auto­her­stel­ler anbietet.

    Der Motor im Wagen fährt nun dau­er­haft im Prüf­stand­mo­dus, dem offen­bar moderns­ten Zustand. Und Volks­wa­gen hat neben einem Kaf­fee wäh­rend der ein­stün­di­gen Update-Pro­ze­dur zwölf Gut­schei­ne für künf­ti­ge AdBlue-Nach­fül­lun­gen spen­diert. Bis­her muss­te man die­sen Stoff, der die Abga­se rei­nigt, alle etwa 15.000 bis 30.000 Kilo­me­ter selbst nach­fül­len. Künf­tig wird das wohl häu­fi­ger nötig, man mun­kelt von nur noch 5000 bis 10.000 Kilo­me­tern Reich­wei­te. Ob der Wagen nun so wenig Stick­stoff­di­oxid pro­du­ziert wie ein Rad­fah­rer, weiß ich nicht. Die Umwelt­pla­ket­te hat jeden­falls kein Update bekom­men, sie bleibt wei­ter­hin auf „4“. Ein Die­sel-Fahr­ver­bot droht somit unver­än­dert. War­um also das Update?

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    Ein Jahr lang hat ein klei­ner pi-Com­pu­ter in unse­rem Haus­halt kein Update bekom­men. Die Bas­te­lei ist eine Smar­thome-Lösung auf Basis des frei­en Pro­jek­tes fhem. Das Pro­jekt ist klas­se, der Ein­stieg schlimm bis unmög­lich. Aber die Logik in fhem besticht. Ein­mal rich­tig auf­ge­setzt, steu­ert der damit bestück­te Mini­rech­ner Strom­steck­do­sen und – am Brenn­wert­kes­sel vor­bei – per Funk die Hei­zungs­ther­mo­sta­te in eini­gen Zim­mern. Steht da etwa ein Fens­ter in einem Zim­mer län­ger offen, greift eine Abschalt­au­to­ma­tik und regelt den nahe­ge­le­ge­nen Ther­mo­stat her­un­ter. Täg­lich um Punkt 12 Uhr schal­tet der Pi einen Kaf­fee­au­to­ma­ten in der Küche ein und um 17 Uhr wie­der aus. Einen Laut­spre­cher, den wir als „Sound­schub­se“ im Sys­tem hin­ter­legt hat­ten, konn­ten wir bis vor Kur­zem eben­falls per App steu­ern. Bis vor Kurzem.

    Weil auf dem USB-Stick kein Spei­cher mehr vor­han­den war, die Log­da­tei­en unge­löscht blie­ben, war das Sys­tem irgend­wann gra­vie­rend gestört. Der Feh­ler in einer Bas­tel­lö­sung. Neu­starts nutz­ten nichts, es blieb nur, sich per ssh auf dem Pi ein­zu­log­gen, die Logs von Hand zu löschen, per Befehl „sudo apt-get update“ und „sudo apt-get upgrade“ alle Soft­ware-Bestand­tei­le auf den neu­es­ten Stand zu heben. Erklä­re das mal im Familienkreis.

    Jetzt gibt aller­dings die Sound­schu­be kei­nen Mucks mehr. Auf der Kin­der-Eta­ge wird schlech­tes WLAN beklagt, ers­te Ana­ly­sen bestä­ti­gen den Befund. Von AVM gäbe es ein Update für die Fritz­box und die WLAN-Repea­ter, aber ach: Das gibt’s nur für die Repea­ter, nicht für die Box. Der Pro­vi­der Voda­fone gibt das Update noch nicht wei­ter. Es wird kompliziert.

    +++

    Mein Gedan­ke: Wir leben in der Update-Gesell­schaft. Wor­an es fehlt, sind Update-Mana­ger. Ich bin so einer. Aber wo lernt man das eigent­lich? Und war­um hal­ten Brenn­wert­kes­sel 15 Jah­re ohne Update?

    Updates hat aktu­ell kei­ner mehr im Griff. Selbst wenn man woll­te, das Zusam­men­spiel aller Kom­po­nen­ten wird ohne neue grund­le­gen­de Mecha­nis­men zu kom­pli­ziert. Dar­an müs­sen wir arbeiten.

  • Marcus Schwarzes erster Newsletter – aber warum nur?

    Marcus Schwarzes erster Newsletter – aber warum nur?

    Und tat­säch­lich bin ich ja weder Gabor Stein­gart noch Flo­ri­an Harms, nicht Lorenz Maroldt und schon gar nicht Maria Popo­va oder Seth Godin – fünf Exper­ten, denen ich per­sön­lich sehr ger­ne mein Mail­post­fach für ihre regel­mä­ßi­ge Lese­stoff­lie­fer­diens­te geöff­net habe. Und eigent­lich bin ich als Jour­na­list auf Twit­ter, Face­book, Insta­gram und Co. ja auch schon zur Genü­ge prä­sent im Social Web.

    Jedoch habe ich nicht erst seit Ein­rich­ten von News­let­tern für einen frü­he­ren Arbeit­ge­ber gelernt, dass die­se Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on zu den ziel­füh­rends­ten gehört. Das Beson­de­re ist die Personalisierung:

    • Hier schrei­be ich für Dich, direkt in Dein Mail­post­fach, im bes­ten Fall direkt auf Dein Han­dy – kei­nen jour­na­lis­ti­schen Arti­kel, son­dern eine kolum­nen­ar­ti­ge Befindlichkeit.
    • Das ist kein Tweet für eine jour­na­lis­tisch-medi­al-ori­en­tier­te, Ber­lin- oder Trump-las­ti­ge Leserschaft.
    • Es ist kein Face­book-Bei­trag für einen Lacher zwi­schen­durch im erwei­ter­ten Bekanntenkreis.
    • Und es ist kein Insta­gram-Bild­chen aus dem Han­dy, um zu zei­gen, wo ich bin oder was ich sehe oder wel­che zufäl­lig inter­es­san­ten Mus­ter ich irgend­wo in der Natur wahrnehme.

    Die Mail ist nach dem Bezahl­ar­ti­kel womög­lich die anspruchs­volls­te Art des digi­ta­len Ver­öf­fent­li­chens: regel­mä­ßig kurz vorm Beläs­ti­gungs­ver­dacht (Wer­bung! Spam! Was will der denn schon wie­der?) und lan­ge vorm Muss-ich-unbe­dingt-auch-noch-Haben-Gefühl. Im Zwei­fel wird sie unge­öff­net überscrollt.

    Wel­chen Wert gut gemach­te News­let­ter haben kön­nen, zeigt in Ber­lin regel­mä­ßig der „Tages­spie­gel“: Dort schrieb mir Redak­teur Cay Dob­ber­ke per­sön­lich und über­aus aus­führ­lich jede Woche frei­tags per Mail, was in mei­nem Bezirk Char­lot­ten­burg-Wil­mers­dorf so vor­ge­fal­len ist. Wobei „Bezirk“ ein klei­nes Wort ist für die­sen gro­ßen Stadt­teil. Er zählt 334.000 Ein­woh­ner. Wenn dann die ört­li­chen Jusos ein Dosen­wer­fen auf Kon­ter­feis von See­ho­fer, Sar­ra­zin und Gau­land zur Gau­di machen oder ein neu­er Tür­ke in einem frü­her fran­zö­si­schen Café auf­macht, erfährt man das als Zuge­reis­ter eben aus der Mail auf dem Han­dy statt aus der Zei­tung oder von der Web­site (wo jede Mel­dung zweit­ver­wer­tet erscheint). Ein Modell mit zwölf stadt­teil­be­zo­ge­nen News­let­tern, das Schu­le macht. Dem Ver­neh­men nach rückt auch die „Ber­li­ner Mor­gen­post“ näher in die Bezir­ke. Im Loka­len wol­len die Ber­li­ner punk­ten, und per News­let­ter scheint es ein erfolg­rei­cher Weg zu wer­den, übri­gens beim „Tages­spie­gel“ mit Hil­fe von Goog­le-Gel­dern. Scha­de, dass es so etwas nicht für Koblenz gibt.

    Loka­les wer­de ich hier kaum auf­schrei­ben, dafür aber Beob­ach­tun­gen aus dem Digi­ta­len, heu­te gewiss etwas „meta“ über den Wert von News­let­tern. Was Dich, lie­ber Leser, in mei­nem News­let­ter erwar­tet, wird mehr sein müs­sen als ein blo­ßer Tweet (dem ja zumeist ein gewis­ses Gewe­se in Krei­sen von Blau­er-Haken-Veri­fi­zier­ten anhängt). Das redak­tio­nel­le Kon­zept sieht statt des­sen eine Betreff­zei­le der Mar­ke Cat­chy vor, einen Ein­stieg wie eine Blau­pau­se für ein Cliff­han­ger-Semi­nar – und einen nicht all­zu lan­gen, inter­es­san­ten Text mit einem Twist in the Tail, den wir alten Hasen, die noch Roald Dahl zur Wei­ter­bil­dung lasen, frü­her Poin­te nann­ten. Und das regel­mä­ßig fokus­siert auf einen Gedan­ken aus dem Digi­ta­len, den aber rich­tig. Einen Link gibt’s nur bei wirk­lich wich­ti­gen Din­gen, sie­he oben.

    So hoch will ich die Lat­te legen. Sag Bescheid, wenn ich sie rei­ße. Ich freue mich auf Dein Feedback.

    P.S.: Natür­lich lässt sich dem Gedan­ken eines eige­nen News­let­ters ein pures Eigen­in­ter­es­se nicht abspre­chen. Schließ­lich bin ich nach einem span­nen­den beruf­li­chen Jahr in Ber­lin gera­de im Begriff, mich in Koblenz selbst­stän­dig zu machen. Ein News­let­ter zur Eigen­ver­mark­tung gehört dazu. Und Du kannst live bei mei­nem Ler­nen dabei sein!