Änderungen daran erkennt man als Follower, wenn man nachschaut – und den früheren Eintrag kennt. Oder man nutzt ein Werkzeug, um andere auf Twitter zu stalken. Die gegenseitige öffentliche Kontrolle verstärkt sich, und wer sich in die sozialen Medien begibt, hält künftig auch getilgte Informationen nicht mehr lange geheim.
Spoonbill nennt sich das Werkzeug, das diese Wissenslücke schließt. Es vermerkt jegliche Änderungen an den „Bios“ – und verschickt täglich eine personalisierte Mail mit den relevanten Änderungen. Relevant ist, wem Du folgst. Wenn etwa der Sportkollege einen neuen Link zu seinem Newsletter hinterlegt, steht die Vorher-/Nachher-Version genauso in der Mail wie jener Eintrag vom Kollegen, der gefühlt täglich an seiner Biographie feilt.
Da fehlt plötzlich der Link zur Arbeitgeber-Website
Interessant ist ja häufig, was da nicht mehr steht. Da reicht es schon, den Namen seiner Firma aus der Bio zu tilgen oder den Link zur Arbeitgeber-Website, schon schreiben einem die Mediendienste, um eine vermeintliche neue Personalie zu vermelden. Auf der Website von Spoonbill geht das Spionieren noch ein wenig weiter: Hier finden sich unter „Related Accounts“ auch frühere Twitter-Accounts, die man mal in seiner Biographie benannt hatte. Und es stehen zahlreiche frühere Änderungen zum Nachschlagen bereit, als wäre Dein Twitterleben ein offenes Buch. Das perfekte Tool zum Twitter-Stalking. Geheim bleibt da nichts, selbst wenn man kurz vor der Änderung sein Profil auf privat setzt – aber nein, selbst das merkt Spoonbill natürlich. Und wenn man etwas aus seiner Vergangenheit tilgen möchte – erstmal verdächtig.
So hat etwa Annegret Kamp-Karrenbauer am Montag um 13.26 Uhr ihren Eintrag „Generalsekretärin“ aus dem Twitter-Profil getilgt. So weit, so erklärlich angesichts ihrer Bewerbung zur CDU-Chefin. Aber warum mit ihrem Posten auch gleich der Hashtag #SozialeMarktwirtschaft gelöscht wurde, könnte ein Thema sein.
Schlanke Fernbedienung – doch die Pausentaste rechts funktioniert nicht.
Auf Abenteuerreise durch die Menüführung
Zu den Merkwürdigkeiten des modernen digitalen Lebens gesellt sich eine Spezialfernbedienung, die für den Samsung-Fernseher UE55MU6179UXZG erhältlich ist. Also, nicht die schlanke mitgelieferte Bedienung R‑NZ, die – so liest man bei gelegentlichen Abenteuerreisen durch die Menüführung des Fernsehers –, per Sprache bedienbar sein soll und dafür auf die offenbar lästigen Kanaltasten 1 bis 9 und 0 verzichtet.
Ich meine die Fernbedienung HbbTV4You. Nur mit ihr entfaltet der olle Samsung seine volle Funktionalität.
Dabei ist der Fernseher schon im Auslieferzustand ein rechter Tausendsassa:
Der Üfünfundfünzig-Muhsechstausendeinhundertneunundsiebzig-Uxzettgeh kann Videos in nie gekannter Auflösung darstellen;
per Ethernetkabel Filme von Netflix oder Amazon aus dem Internet abspielen;
die Mediatheken von ARD, ZDF und vom heimischen NAS-Server ansteuern.
Die Spotify-Musikbibliothek ist eine nur dreiminütige Passworteingabe entfernt (auf der Fernbedienung muss man sich halt etwas aufwendiger durch die visualisierte Buchstabentastatur navigieren).
Immerhin lässt sich mal nachschauen, was andere der Familie so auf Netflix glotzen und in welchen Filmen sie abgebrochen haben, wenn man sich bei der Frage „Wer schaut gerade“ verwählt. Upps.
Was halt nicht funktioniert: die Pausentaste. Der Fernseher ist zwar einer der modernsten im Pixelzeitalter. Ultra-HD 4K, Energieeffizenzklasse A, DLNA, Bluetooth, Du verstehst. Und auch der Ton klingt anfangs zwar wie aus der Blechbüchse, aber für einen kleinen Aufpreis von 146,99 Euro gibt’s immerhin eine Soundbar M360 samt Surround-Sound-Expansion, Bluetooth, Wuhfer und zusätzlicher extra schlanker Fernbedienung AH-59. Da stimmt dann zumindest der Ton. Und in acht von zehn Fällen kann man auf die Zweitfernbedienung für die Soundbar verzichten, denn die von Samsung haben die Soundbar fast Apple-like über die Erstfernbedienung ansteuerbar gemacht. Donnerknispel.
Diagnose 1: Da fehlt der Aufnahmespeicher
Nur fürs Einfrieren der laufenden Sendung ist der Fernseher nicht freigeschaltet. Klar, denkst Du als Technikexperte, fehlt ja auch der Aufnahmespeicher. Haben sie bei Samsung wohl eingespart. Also installierst Du nach und nach
einen USB-Stick,
ein USB-Laufwerk,
ein Netzwerklaufwerk. Es nützt nichts: Der 549 Euro teure Fernseher ist ein moderner Computer mit Pausentaste und kann dennoch keine Sendungen aufnehmen oder anhalten.
Eine Google-Suche später wird klar: Dieser Üfünfundfünzig-Muhsechstausendeinhundertneundundsiebzig-Uxzettgeh kostet 549 Euro, weil er exakt diese Funktion nicht hat. Mit dieser Funktion käme ein anderer Samsung in Betracht: der Üfünfundfünzig-Muhsechstausendvierhundertneunundvierzig-Uxzettgeh. Kostenpunkt: 839 Euro. Das sind 270 Punkte Differenz in der Typenbezeichnung und 290 Euro Unterschied im Portemonnaie.
Hässlich zwar, aber auch nur für den einmaligen Gebrauch.
Diagnose 2: Es gibt ein verstecktes Bedienmenü
Dafür habe ich diese Fernbedienung gefunden. Mit der nicht anders als hässlich zu bezeichnenden HbbTV4You schaltest Du ein verstecktes Bedienmenü auf dem Samsung frei, tippst ein paar Tasten in der richtigen Reihenfolge. Das dauert keine zwei Minuten. Und schon kann der Samsung plötzlich aufnehmen, anhalten, Aufnahmen planen. Kostenpunkt 29 Euro. So günstig ist kein Videorecorder. Das Stück Plastik hat dann seine Schuldigkeit getan, landet im Müll oder auf dem Olymp der seltenst-benutzten Tastaturen. Oder bei Ebay.
Die einzige Sorge widmet sich nun der Update-Funktion im verjüngten Samsung: Werksseitig telefoniert der immer mal wieder nach Hause und holt sich eigenständig Updates für seine eingebauten Apps aus dem heimischen Store. Vielleicht schaltet das nächste Update die Aufnahmefunktion wieder ab?
Diese Funktion lässt sich glücklicherweise abschalten. Man nehme dafür: die mitgelieferte Erstfernbedienung.
Wenn man sich nach einem Jahr in Berlin in Koblenz bei seinem Fitnessclub zurückmeldet, ist vieles anders. Allein die Preisgestaltung. Früher zahlte ich pauschal an die 60 Euro im Monat. Für das Geld erhielt ich Nutzungsmöglichkeiten für
diverse Gerätschaften,
kühles Sprudelwasser von der Getränkebar,
TV-Unterhaltung samt anstöpselbarer Tonspur,
einen Spezialparcours mit sekundengenauer computergesteuerter Leistungsmessung und
einen Saunabesuch samt Aufguss vom Profi.
Und vieles mehr! Eine programmierbare wasserstrahlbasierte gummierte Massagebank ließ sich auch schon früher gegen Aufpreis nutzen. Die freundlichen Menschen am Empfang mussten sie dann ferngesteuert starten.
Jetzt zahle ich im Wochenendtarif 34,95 Euro beziehungsweise für alle Tage der Woche 39,95 Euro pro Monat – für diverse Gerätschaften; ein oder zwei Euro pro Woche für die Nutzung der Getränkebar; 2,99 Euro pro Woche für den Besuch im „Sauna- und Wellnessparadies“; und eine jährliche Verwaltungsgebühr von 29,90 Euro. Hinzu kommt nach Auskunft vom Profi demnächst eine weitere wöchentliche Gebühr für die Nutzung des Spezialparcours mit sekundengenauer computergesteuerter Leistungsmessung. Mit meiner neuen Chipkarte kann ich den Parcours zurzeit noch „so“ nutzen, obwohl er im neuen Mitgliederbereich auf dem schicken Touchbildschirm noch gar nicht als gebucht vermerkt ist. Wöchentlich heißt dabei: nur monatlich kündbar, verstehe.
Die Unterschrift auf dem iPad
In der Summe zahle ich also wieder an die 60 Euro und noch etwas mehr, aber was tut man nicht alles. Unterschrieben wird der Vertrag ganz modern mit dem Zeigefinger auf einem iPad, die Krakelei meines Onboardingprozesses ist schneller als PDF an mich gemailt, als ich den einmalig kostenlosen Kaffee austrinken kann.
Überhaupt, die Bildschirme. Bei der ersten Präsentation des neuen Touchbildschirms im Foyer hielt der wackere Profi vom Club die Karte stets vor den Bildschirm statt vor dem großen eingekreisten X darunter, wischte mit wachsender Verzweiflung nach links und rechts, dass uns beiden schwindelig wurde. Gemeinsam wuppten wir die Herausforderung. Im Loginbereich tauchten dann fünf Euro auf, die auf der Karte als Guthaben gebucht seien, aber ach: Die Getränkebar wusste davon nichts – egal ob man die Karte vors Display hielt oder aufs X legte, das in den Tisch eingelassen ist. Also gab mir der Profi auf seiner Karte ein Wasser aus. Die Sauna hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gebucht, „Du kannst da so rein“, sagte mir der Profi.
Eine Woche später war das dann schon nicht mehr der Fall. Das neue Drehkreuz streikte. Ein scharfes LED-Rot verbot mir den Durchgang. Ängstlich suchte ich nach einer Kamera: Ob die mich dabei beobachteten, wenn ich elegant übers Drehkreuz … Aber nein: Im knappen Saunamantel ohne Höschen wollte ich weder moralische noch sonstige Malaisen heraufbeschwören. Also fand ich mich in dieser Montur kurz darauf in der Lobby wieder, suchte dort am Tatschbildschirm den Loginbereich auf, buchte die Sauna. Klar, dass just in diesem Moment die frühere Kollegin auftauchte und ich in Badeschlappen sowie nicht viel darüber erst eine kleine Ausführung in Sachen beruflichem Werdegang und dann eine größere Einführung in den Loginbereich geben durfte.
Tatort Spinde
Die Woche darauf hatten sie wieder etwas Neues. Die Schrankspinde bekamen neue Schließmechanismen. Dunkel erinnerte ich mich: In der Lobby hatte ich an einem Dummy eine Einführung genossen, wie die Chipkarte davorzuhalten ist, um die Tür zu schließen und zu öffnen. Aber ach: Irgendwie schien sich das Prozedere noch nicht bis in die Männerumkleide herumgesprochen zu haben. Dort versperrten rot-weiße Flatterbänder weitläufig den Tatort, komplette Reihen von Spinden waren geblockt. Der Profi leitete mich nach weiter hinten in der Umkleide. Dort waren ein paar wenige Spinde noch nicht umgerüstet. Mit einer zweiten Karte und einem echten Schlüssel ließ sich dort ganz herkömmlich analog das Schloss öffnen und verschließen. So braucht es dann also bis auf Weiteres zwei Karten und einen Schlüssel zum Sporttreiben.
Noch nicht entschlüsselt habe ich die programmierbare wasserstrahlbasierte gummierte Massagebank. Sie wurde jetzt ebenfalls mit einem Chipkartenlesegerät ausgestattet. Ein großes X markiert den Vorhaltebereich für die Chipkarte. Der Moment, hier die Kurzfassung: Meine Karte funktioniert noch nicht, wahrscheinlich muss ich das erst buchen. Oder eine dritte Karte ausstellen lassen?
Jetzt mit Online-Account
Zurück zur Preisgestaltung: Für den ersten Monat wurden mir 104,25 Euro abgebucht. Neugierig geworden, suchte ich den Mitgliederbereich auf der Homepage des Clubs auf. Weil die Funktion „Online-Account einrichten“ stets mit einem Fehler endete, dauerte es leider drei Mails, zwei Screenshots und fünf Tage, bis der Zugang funktionierte. Parallel klärte die „Zentrale Mitgliederverwaltung“ immerhin per Mail über die Zusammensetzung der immerhin dreistelligen Summe auf. An einer Stelle hatte man sich tatsächlich verrechnet, 3,51 Euro wurden mir gutgeschrieben. Ich Dummy hatte aber das 49,90 Euro teure „Startpaket“ mit dem Gesundheitscheck beim Trainer übersehen.
Und die neue Chipkarte. Sowie die Sekunden später eintreffende Mail für die Abgabe meiner Kundenzufriedenheitsbewertung. Natürlich habe ich geantwortet: mit einem Link auf diesen Text und der Aufforderung zum Beitritt – in meinen Mitgliederbereich.
Ich glaube allerdings nicht, dass dies Schule macht.
Die Augen offenhalten, rausgehen, mit den Leuten sprechen. So galt es früher vor allem im Lokaljournalismus. Heute kommen die Leute von draußen rein, direkt aufs Handy oder auf größere Schirme. Gequatscht wird dann ebenfalls, wenn auch anders. Gestandene Beziehungen verabreden sich Hunderte von Kilometern voneinander entfernt zum „gemeinsamen“ Netflix-Gucken (nicht wahr, S.?), starten auf die Sekunde genau zeitgleich den Film der Wahl – und tauschen sich dann im trauten WhatsApp-Chat über das Bildschirmgeschehen aus. Es gibt diese Sehnsucht nach Gemeinschaftserlebnissen, im endlosen Digitalen erst recht. Netflixparty und Rabbit heißen zwei Werkzeuge, um das in Sachen gemeinsames Glotzegucken noch ein bisschen auf die Sekunde genauer zu machen.
Davon zeugen auch die Hashtags. Ob #ltwby18 und #ltwby für politisch Interessierte zur Landtagswahl Bayern, #DHDL zum abendlichen Kaminfeuer namens Startupbewertung oder #Rolex für ein Stadion Empörter über ein Stadium kleingeistiger und neidischer Empörung: Hashtags sind aufs Bemerken vermeintlicher Strömungen aus und verstärken doch gelegentlich nur aufmerksamkeitsstarke Extreme. Besonders in Kreisen von Journalisten und Politikern.
Sich zu vernetzen und neue Gemeinschaften zu bilden, das befördern so auch Facebook, Instagram und Twitter. Das ist, gepaart mit kleinteiligster Werbung, ihr Geschäftsmodell. Deren Filter spülen bevorzugt jene Beiträge anderer in die eigene Timeline, mit denen man interagiert hat. Wenn dann eine Facebookseite wie „Unnützes Hannoverwissen“ mit einem ganz merkwürdigen psychologischen Mechanismus diese Sehnsucht nach Gemeinschaft triggert, markieren sich da mal eben in 200 Kommentaren die Leser gegenseitig, und der Beitrag erreicht nicht weniger als 19.300 Leser nach der Facebookzählweise.
Massenhaft vorgenommen, befördern uns diese Mechanismen in Filterblasen. Erfunden wurde der Begriff bereits 2011 von Eli Pariser. In diesen Echokammern sehen wir nur noch das, was wir gut finden und unterstützen, interessant finden, nicht mehr die Gegenseite oder schlicht andere Meinungen. Gemocht habe ich diesen Begriff nie, denn als Journalist meinst Du natürlich, ständig die Augen offen zu halten. Das nützt nur nichts bei den sozialen Medien, denn tatsächlich ist das Problem an den Filtern, dass Du sie nicht siehst.
Und dann passiert das, wenn die Leute nur noch gefiltert bei Dir reinkommen. Erkenntnisse einer kleinen Umfrage am heimischen Küchentisch mit zwei Teenagern:
Plötzlich bekommst Du nicht mehr mit, warum ein Instagram-Account namens „Mein Beichtstuhl“ 2,5 Millionen Follower hat.
Du erfährst nicht, warum ein Pokemon Go Song Millionen Abrufe erfährt.
Der Erfolg von „Galileo“ auf Pro 7 geht an Dir vorbei, aber für manche ist das Format auf YouTube ihre ständige Tagesschau.
Tanzverbot sagt Dir was?
Mesut Özils kräftiges Statement zur Halbzeitpause eines Deutschland-Spiels kannst Du sofort zuordnen, obwohl kein Sportteil und auch Elf Freunde online damit nicht aufmachte? 500.000 Nutzer waren noch am gleichen Abend zumindest kurzzeitig dabei auf Twitch.
Den Robbetrend von Bam kannst Du auf die Schnelle nachmachen?
Vermutlich ist der Robbetrend so wichtig oder unwichtig wie Özils Geballer und Seehofers nächste Pressekonferenz oder Apples Anstieg seiner Aktie um 2,20 Prozent übermorgen. Für irgendwen sind diese Dinge wichtig. Für viele nicht.
Wie man trotzdem davon erfährt und sie für sich einordnet, wird durchs Internet nicht einfacher, eher schwieriger, weil komplexer. Seit zwei Tagen hat mir der Facebook-Algorithmus nur noch, und ich sage: nur noch im Sinne von ausschließlich, Meldungen von Medien in die Timeline gespült. Rhein-Zeitung, Berliner Morgenpost, die Morgenpost Reinickendorf, Spiegel Online, nichts anderes. Als wären alle Privat-Accounts von Bekannten verstummt.
Keine Ahnung, wie man das wieder normalisiert, aber was ist schon normal: Bis vorgestern habe ich auf Facebook seit Jahren keine Medienmeldungen angezeigt bekommen, ich habe dort wohl zu vielen gefolgt; angezeigt wurden mir nur Privataccounts, außer von jenen Medien, die ich explizit per vorgenommener Einstellung an erster Stelle sehen wollte. Wie ich das bei Facebook wieder diversifizieren kann, weiß ich auch noch nicht.
Dabei ist kleine Gemeinschaften zu bilden immer der Anfang von etwas größerem – vorausgesetzt, es geschieht mit einer beständigen Vertrauensbasis. Deswegen hat auf Dauer wahrscheinlich nebenan.de ein größeres Potenzial als Facebook. 4500 Nachbarn haben sich da in meinem Kiez in meinem bisherigen Zweitwohnort in Berlin vernetzt, aufgenommen wird man nur per zugesandter überprüfender Postkarte, ob die angegebene Adresse stimmt.
Anschließend lädt eine Nachbarin zum gemeinsamen Ernährungsabend Vegan–Vegetarisch–Ayurvedisch ein, ein anderer zum Betonschalenworkshop, und ein dritter verschenkt mir seinen Fernsehsessel. Das alles mag über Facebook und Co. auch gehen, aber der Vertrauensbonus ist dank der Postkartenüberprüfung ein deutsches Hochhaus größer. Es mögen da nicht weniger Trolle und Idioten unterwegs sein. Aber am Ende findet man so immerhin etwas einfacher die fünf, sechs Leute für den Doppelkopfstammtisch. So geschehen in der zweiten Heimat.
Die kleinen Gemeinsamkeiten treffen auch auf meinen Newsletter zu: Ich freue mich über 60 Interessierte. Klar sind das viele Journalisten aus meiner Filterblase, die vermutlich zunächst einmal aus Neugierde weiterverfolgen, was ich so treibe. Wenn dann plötzlich an einem Tag fünf, sechs neue Leser hinzukommen, war es auch wieder eine dieser vielen kleinen, aber hilfreichen Bindungen, die das Netz ausmachen: die Empfehlung in einem anderen Newsletter, der mir schon mal beim Aufsetzen des eigenen Letters mit Blick auf Datenschutzgrundverordnung und Impressum sehr hilfreich war. Danke, Franziska Bluhm!
Aber eigentlich ist das noch nicht radikal genug. Wie kann man denn wirklich die anderen lesen? Mir fehlt dafür noch eine Anleitung. Mögt ihr mir das einmal schreiben?
Alles schick dunkel hier – bis auf die eine Mail, die Weiß als Hintergrund vorgibt.
Nicht erst seit macOS Mojave hält das Dunkle Einzug auf moderne Sichtgeräte. Apples jüngste Betriebssystem-Version zeigt einen Dunkelmodus, der das Geschehen auf dem Bildschirm in abgestufte dunkle Grautöne taucht. Auch Windows 10 bietet das Feature „Dark Mode“ an, ebenso Google News (wenn auch noch nicht auf iOS), Twitter, TikTok, YouTube, demnächst WhatsApp. Die Reddit-App nennt die entsprechende Einstellung Nachtmodus, und auf dem iPhone ist die neue Sicht der Dinge unter Einstellungen > Allgemein > Bedienungshilfen > Display-Anpassungen > Farben umkehren > „Umkehren – Intelligent“ einstellbar.
Aber warum?
„Mit dem dunklen Design werden alle hellen Oberflächen auf der Seite dunkel eingefärbt. Dies führt vor allem nachts zu mehr Nutzerfreundlichkeit“, erklärt YouTube. Und in der Tat strengt es die Augen weniger an, wenn das Helle weniger grell strahlt, oder wie es auf Reddit schon vor Jahren hieß:
Night is dark. Screen is bright. Eyes hurt.
Night is dark. Screen is dark. Eyes not hurt.
Besonders der Streaming-Dienst Netflix dürfte den Dunkelmodus populär gemacht haben, allen Süchtigen damit die Handhabung der App in der Nacht erleichtern – und mit Serien wie „Orange is the new Black“ oder „Dark“ noch einen i‑Punkt gesetzt haben.
Neue Probleme
Der Begriff „… is the new black“ stammt eigentlich aus der Modewelt, bezeichnet eine neue Farbe, die populär zu werden scheint und das hergebrachte Schwarz, das eigentlich immer getragen werden kann, vermeintlich ablöst.
Allerdings schafft der neue Dunkel-Modus auf Bildschirmen neue Probleme. Denn insbesondere im Apple-System ist die Darstellung nicht einfach invertiert, sondern „intelligent“ invertiert. Im Mail-Programm unter macOS zum Beispiel sind
die Postfächer in hellgrau auf mittelgrau dargestellt,
die Mail-Anreißer in mittelgrau auf dunkelgrau und
die eigentliche Mail selbst in aller Regel in weiß auf schwarz, außer der Absender hat diesen Hintergrund wie im Bild unten nicht vorgegeben
(während die Menüs in mittelhelldunkelgrau auf etwas-heller-als-mittelhellhellgrau ausgeblendet wirken).
Kommst Du noch mit?
So abgestuft erscheint das Design auf dem Mac, auch wenn nicht mehr alles in der Mail gut lesbar ist.
… und leider erlaubt die von mir eingesetzte Newsletter-Software noch kein angepasstes Design.
Das Problem: Schickt jemand eine Mail in ausführlichster vorgegebener Gestaltung, wie zum Beispiel diesen Newsletter, erstrahlt sie plötzlich in hellstem Hell – im dunklen Umfeld ist das wie ein lichter Gruß aus der Hölle. Und hat man sich ans schicke Dunkel gewöhnt, ist die vermeintlich alte Darstellung in schwarz auf grellem Weiß so anstrengend wie eine Polizeirazzia beim Candlelight-Dinner.
Selbst Apple schafft es nicht
Apple selbst geht in seinen Human Interface Guidelines noch eine deutliche Spur tiefer, empfiehlt, weißen Hintergrund weicher zu gestalten, eine Technik namens „Desktop Tinting“ einzusetzen, um Hintergründe durchscheinen zu lassen. Sind die Programme und ihre Fenster auf diese Technik eingerichtet, erscheint die Darstellung tatsächlich wie aus einem Guss; nur: das sind sie eben alle noch nicht.
Und auch wenn die Apps nun nach und nach an das aufwendige neue dunkle Design angepasst werden: Irgendwo findet sich immer eine Mail oder Website, die im Lichte der neuen Dunkelheit Schwarz-auf-Weiß-Lichtverschmutzung betreibt. Nehmen wir nur die Google-Suchseite. Oder Apples eigene Seite der Human Interface Guidelines. Webseiten sind sehr häufig hell.
In der sogenannten Reader-Darstellung von Apples Safari-Browser lässt sich zwar auch die Human-Interfaces-Seite denkbar schick ins Dunkle tauchen, und ganz mutige stellen im Browser Safari diesen Lesemodus für jede weitere Seite ein (Safari > Einstellungen > Websites > Allgemein > Reader > Beim Besuch anderer Websites > Ein). Alternativ gibt es eine Dark-Mode-Erweiterung für den Safari-Browser und auch für Chrome. Standard ist das jedoch nicht.
Ja, Dunkel ist jetzt das neue Schwarz; Weiß aber ist das neue Grell. Und die Welt ist wieder etwas komplizierter.
Der Newsletter für Erkenntnis und Interesse: Über die Folgen der Digitalisierung.
Unser Brennwertkessel wird in ein paar Tagen 15 Jahre alt. Er hat seitdem noch nicht ein einziges Software-Update erlebt. 131.037 Betriebsstunden nennt das Display.
Hunderteinundreißigtausendundsiebenundreißig Stunden. Seit 14,95 Jahren läuft der Bursche zuverlässig.
Als einziges Problem vermerkt der genügsame Rechner in seiner Störungshistorie den wiederkehrenden Fehler „D3“. Seit 15 Jahren. Wir duschenden Brennwertkesselkenner in unserem Haushalt erleben „D3“ immer dann, wenn jemand die Dachfenster im Flur auf offen gestellt und so belassen hat. Das Wasser bleibt dann kalt.
Der Schornsteinfeger hat seinerzeit für diesen Fall eine Abschaltautomatik für heißes Wasser verfügt, wegen der Gefahren schadstoffbelasteter Durchlüftung. Gleichwohl hat er zuletzt schon mal ein Update angeboten, um die Abschaltautomatik abzuschalten, „da passiert eh nichts“. Doch dabei schwangen die Kosten einer vermeidenswerten, kostenbewehrten Handwerkerstunde mit. Wozu also das Update? Zumal, wenn es lebensgefährlich sein könnte?
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Die Abschaltautomatik für unseren Diesel der Marke Volkswagen hat nur sechseinhalb Jahre gehalten. Die Motorsteuerung schaltete immer dann die Abgasreinigung ab, wenn sich der Wagen im Prüfstandmodus wähnte. Letzte Woche verfügte das hiesige Ordnungsamt: Die Abschaltautomatik muss binnen drei Tagen weg. So sind sie in Koblenz. Ein Software-Update musste her. So bekam der Sharan nach fast sieben Jahren seine erste Verjüngung. Ungeupdatet blieben dagegen der Kartenstand des Navigationssystems. So etwas kostet. Und das Autoradio werkelt auch weiterhin im Modus von 2011. Ein aktueller 1200-Euro-Spezialcomputer namens iPhone kann auch weiterhin nicht den Bildschirm und die Tasten im Auto auf moderne Weise nutzen, wie es Apple jedem Autohersteller anbietet.
Der Motor im Wagen fährt nun dauerhaft im Prüfstandmodus, dem offenbar modernsten Zustand. Und Volkswagen hat neben einem Kaffee während der einstündigen Update-Prozedur zwölf Gutscheine für künftige AdBlue-Nachfüllungen spendiert. Bisher musste man diesen Stoff, der die Abgase reinigt, alle etwa 15.000 bis 30.000 Kilometer selbst nachfüllen. Künftig wird das wohl häufiger nötig, man munkelt von nur noch 5000 bis 10.000 Kilometern Reichweite. Ob der Wagen nun so wenig Stickstoffdioxid produziert wie ein Radfahrer, weiß ich nicht. Die Umweltplakette hat jedenfalls kein Update bekommen, sie bleibt weiterhin auf „4“. Ein Diesel-Fahrverbot droht somit unverändert. Warum also das Update?
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Ein Jahr lang hat ein kleiner pi-Computer in unserem Haushalt kein Update bekommen. Die Bastelei ist eine Smarthome-Lösung auf Basis des freien Projektes fhem. Das Projekt ist klasse, der Einstieg schlimm bis unmöglich. Aber die Logik in fhem besticht. Einmal richtig aufgesetzt, steuert der damit bestückte Minirechner Stromsteckdosen und – am Brennwertkessel vorbei – per Funk die Heizungsthermostate in einigen Zimmern. Steht da etwa ein Fenster in einem Zimmer länger offen, greift eine Abschaltautomatik und regelt den nahegelegenen Thermostat herunter. Täglich um Punkt 12 Uhr schaltet der Pi einen Kaffeeautomaten in der Küche ein und um 17 Uhr wieder aus. Einen Lautsprecher, den wir als „Soundschubse“ im System hinterlegt hatten, konnten wir bis vor Kurzem ebenfalls per App steuern. Bis vor Kurzem.
Weil auf dem USB-Stick kein Speicher mehr vorhanden war, die Logdateien ungelöscht blieben, war das System irgendwann gravierend gestört. Der Fehler in einer Bastellösung. Neustarts nutzten nichts, es blieb nur, sich per ssh auf dem Pi einzuloggen, die Logs von Hand zu löschen, per Befehl „sudo apt-get update“ und „sudo apt-get upgrade“ alle Software-Bestandteile auf den neuesten Stand zu heben. Erkläre das mal im Familienkreis.
Jetzt gibt allerdings die Soundschube keinen Mucks mehr. Auf der Kinder-Etage wird schlechtes WLAN beklagt, erste Analysen bestätigen den Befund. Von AVM gäbe es ein Update für die Fritzbox und die WLAN-Repeater, aber ach: Das gibt’s nur für die Repeater, nicht für die Box. Der Provider Vodafone gibt das Update noch nicht weiter. Es wird kompliziert.
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Mein Gedanke: Wir leben in der Update-Gesellschaft. Woran es fehlt, sind Update-Manager. Ich bin so einer. Aber wo lernt man das eigentlich? Und warum halten Brennwertkessel 15 Jahre ohne Update?
Updates hat aktuell keiner mehr im Griff. Selbst wenn man wollte, das Zusammenspiel aller Komponenten wird ohne neue grundlegende Mechanismen zu kompliziert. Daran müssen wir arbeiten.
Und tatsächlich bin ich ja weder Gabor Steingart noch Florian Harms, nicht Lorenz Maroldt und schon gar nicht Maria Popova oder Seth Godin – fünf Experten, denen ich persönlich sehr gerne mein Mailpostfach für ihre regelmäßige Lesestofflieferdienste geöffnet habe. Und eigentlich bin ich als Journalist auf Twitter, Facebook, Instagram und Co. ja auch schon zur Genüge präsent im Social Web.
Jedoch habe ich nicht erst seit Einrichten von Newslettern für einen früheren Arbeitgeber gelernt, dass diese Form der Kommunikation zu den zielführendsten gehört. Das Besondere ist die Personalisierung:
Hier schreibe ich für Dich, direkt in Dein Mailpostfach, im besten Fall direkt auf Dein Handy – keinen journalistischen Artikel, sondern eine kolumnenartige Befindlichkeit.
Das ist kein Tweet für eine journalistisch-medial-orientierte, Berlin- oder Trump-lastige Leserschaft.
Es ist kein Facebook-Beitrag für einen Lacher zwischendurch im erweiterten Bekanntenkreis.
Und es ist kein Instagram-Bildchen aus dem Handy, um zu zeigen, wo ich bin oder was ich sehe oder welche zufällig interessanten Muster ich irgendwo in der Natur wahrnehme.
Die Mail ist nach dem Bezahlartikel womöglich die anspruchsvollste Art des digitalen Veröffentlichens: regelmäßig kurz vorm Belästigungsverdacht (Werbung! Spam! Was will der denn schon wieder?) und lange vorm Muss-ich-unbedingt-auch-noch-Haben-Gefühl. Im Zweifel wird sie ungeöffnet überscrollt.
Welchen Wert gut gemachte Newsletter haben können, zeigt in Berlin regelmäßig der „Tagesspiegel“: Dort schrieb mir Redakteur Cay Dobberke persönlich und überaus ausführlich jede Woche freitags per Mail, was in meinem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf so vorgefallen ist. Wobei „Bezirk“ ein kleines Wort ist für diesen großen Stadtteil. Er zählt 334.000 Einwohner. Wenn dann die örtlichen Jusos ein Dosenwerfen auf Konterfeis von Seehofer, Sarrazin und Gauland zur Gaudi machen oder ein neuer Türke in einem früher französischen Café aufmacht, erfährt man das als Zugereister eben aus der Mail auf dem Handy statt aus der Zeitung oder von der Website (wo jede Meldung zweitverwertet erscheint). Ein Modell mit zwölf stadtteilbezogenen Newslettern, das Schule macht. Dem Vernehmen nach rückt auch die „Berliner Morgenpost“ näher in die Bezirke. Im Lokalen wollen die Berliner punkten, und per Newsletter scheint es ein erfolgreicher Weg zu werden, übrigens beim „Tagesspiegel“ mit Hilfe von Google-Geldern. Schade, dass es so etwas nicht für Koblenz gibt.
Lokales werde ich hier kaum aufschreiben, dafür aber Beobachtungen aus dem Digitalen, heute gewiss etwas „meta“ über den Wert von Newslettern. Was Dich, lieber Leser, in meinem Newsletter erwartet, wird mehr sein müssen als ein bloßer Tweet (dem ja zumeist ein gewisses Gewese in Kreisen von Blauer-Haken-Verifizierten anhängt). Das redaktionelle Konzept sieht statt dessen eine Betreffzeile der Marke Catchy vor, einen Einstieg wie eine Blaupause für ein Cliffhanger-Seminar – und einen nicht allzu langen, interessanten Text mit einem Twist in the Tail, den wir alten Hasen, die noch Roald Dahl zur Weiterbildung lasen, früher Pointe nannten. Und das regelmäßig fokussiert auf einen Gedanken aus dem Digitalen, den aber richtig. Einen Link gibt’s nur bei wirklich wichtigen Dingen, siehe oben.
So hoch will ich die Latte legen. Sag Bescheid, wenn ich sie reiße. Ich freue mich auf Dein Feedback.
P.S.: Natürlich lässt sich dem Gedanken eines eigenen Newsletters ein pures Eigeninteresse nicht absprechen. Schließlich bin ich nach einem spannenden beruflichen Jahr in Berlin gerade im Begriff, mich in Koblenz selbstständig zu machen. Ein Newsletter zur Eigenvermarktung gehört dazu. Und Du kannst live bei meinem Lernen dabei sein!