Die Digitalisierung der Anwaltsindustrie

Digital geht Klagen schnell. Kaum jemand hat das besser erkannt als die Anwaltsindustrie. Innerhalb einer Stunde ist die Klage gegen Volkswagen zusammengeklickt.

So als Autokäufer wirst Du schnell zur leichten Beute. Da hast Du Dir vor zehn Jahren einen dieser Diesel für die Familie wegen der automatischen Schiebetüren, des großen Gepäckraums und natürlich des supercleanen Diesels gekauft, und Zack! – zeigen Dir Jahre später Google und Facebook nur noch Werbeanzeigen für Anwälte, die Dir das damals bezahlte Geld erstatten helfen wollen. Der Schummeldiesel zeigte auf dem Prüfstand geringere Schadstoffdaten als auf der Fahrt. Und letztlich hat nun auch der Bundesgerichtshof die Technik als sittenwidrig und Täuschung verurteilt.

Drei Jahre nach meinem ersten Schreiben an die Verkäufer in Wolfsburg (Antwort: Wenden Sie sich an Ihren Anwalt) und drei Stunden nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs habe ich einen Einblick in die Digitalisierung der Anwaltsindustrie gewonnen.

Plötzlich finde ich mich in einem Mandantenportal meiner Anwaltskanzlei wieder, das mich nicht mehr loslässt. Es lässt erahnen, was mit Digitalisierung noch möglich ist.

Neuen Fall anlegen

In der Anwaltscloud kann ich auf die Schnelle einen neuen Fall anlegen oder ältere bearbeiten. Zur Verfügung stehen die folgenden und noch mehr:

  • „Opel – Abgasskandal“ und
  • „Opel – Benziner“,
  • „VW WA189 – Abgasskandal“ und
  • „VW – Vorserienmodelle“,
  • „Reiserecht (Ansprüche wegen abgesagter oder stornierter Reisen aufgrund der Corona-Pandemie)“ und
  • „VW – Vergleich Musterfeststellungsklage“.

Also munter auf meinen Fall geklickt, und Zack! – leitet mich das Cloud-Portal der Kanzlei durch einen ausführlichen Fragebogen. Sämtliche prozessrelevanten Informationen werden präzise abgefragt und machen mich leichtgängig zum Prozesshansel.

Innerhalb von 24 Stunden

Nach drei Jahren Hin und Her im Dieselskandal habe ich natürlich den damaligen Kaufvertrag direkt als PDF uploadbar bereit, die EG-Übereinstimmungsbescheinigung des Schummeldiesels mit der Unterschrift von Herrn Dr. v. Buch, und auch der Mailverkehr zwischen einer Maschine bei mein-vw-vergleich.de („Bitte bestätigen Sie innerhalb von 24 Stunden durch Betätigung des Bestellbuttons“) und mir (warum jetzt nach drei Jahren so schnell?) ist schnell in der Anwaltscloud hochgeladen.

Ebenso der Widerruf. VW hatte mir einen Vergleich angeboten, den ich anbieten sollte. 3861 Euro sollte ich für den Vergleich bekommen. Eine bestimmte Unterlage hatte ich bei der Kommunikation mit dem Portal jedoch übersehen und sie erst Tage später nachgereicht. Daraufhin verschob sich die erneute Bestätigungsmail des Bots des VW-Portals. Wurde meine Annahme des Vergleichs ursprünglich just einen Tag vor dem BGH-Urteil wirksam, so galt nun ein Termin neun Tage nach dem BGH-Urteil.

Analyse meines Falls innerhalb von Sekunden

Im Anwaltsportal wiederum war ein paar Stunden nach diesem BGH-Urteil die neue Lage eingearbeitet. Wie 60.000 andere VW-Kläger auch konnte ich mich durch die präzisen Fragebögen arbeiten, um am Ende ein siebenseitiges PDF mit einer Art Gutachten meines Falls zu erhalten. Widerruf des Vergleichs? Rückabwicklung des Verkaufs? Indvidualklage und Nutzungsentschädigung?

Aus Textbausteinen hat das Anwaltsportal mir aufgrund meiner Angaben die Optionen aufgezeigt. Was bei Rückabwicklung passiert, mit oder ohne Zinsen, wie das Prozessrisiko einzuschätzen ist, was mit oder ohne Rechtsschutzversicherung zu damals oder jetzt gilt. Alles drin.

Gesprochen habe ich mit niemandem in der Kanzlei. Aber aus dem gesamten Abwicklungsprozess den Eindruck gewonnen: Die wissen auf den Paragraphen und das Datum eines Kaufvertrags genau, was sie machen oder nicht. Ich meine, die Zukunft der Prozesse gesehen zu haben.

Der Prozesse vor Gericht. Und der damit zusammenhängend möglichen im Internet. Es geht!

 

 

 

 

 

 

 

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Texte, Konzepte, Social Media, News. Ich habe das Internet von der Pike auf gelernt. In Zeitungsredaktionen in Hannover, Berlin und Koblenz. In Newsrooms und Pressestellen. Vom Tweet bis zum Buch. Als Autor, Redakteur, Digitalchef, Mitglied einer Chefredaktion. Als Konzepter und Webmaster (nur WordPress, aber da richtig). Mein Motto: Einfach machen.

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